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20. Braunauer Zeitgeschichte-Tage „Schwieriges Erbe“ Passauer Neue Presse 20. September 2011"Ich bin am Leben, er ist tot"Von "Piroschka" zu "Schindlers Liste" und "Gladiator": Zweifacher Oscargewinner Branko Lustig (79) besucht das Hitler-Haus in Braunau Seine Lebensgeschichte erinnert an einen Hollywoodfilm: Ein ehemaliger KZ-Häftling wird in der amerikanischen Filmindustrie erfolgreich, erhält sogar für "Schindlers Liste" (USA 1993) und "Gladiator" (USA 2000) jeweils einen Oscar. Er ist der einzige Kroate mit zwei dieser Auszeichnungen: Branko Lustig (79). Seine Holocaust-Vergangenheit hat der jüdische Filmemacher nicht verdrängt, Toleranz ist ihm ein wichtiges Anliegen. Darum wird er auch am Freitag zu den "Braunauer Zeitgeschichte-Tagen" kommen und die Gelegenheit nutzen, das Geburtshaus von Adolf Hitler und das Grab von Emilie Schindler zu besuchen. Glück und Leid - beides kam von Deutschen. "Ich bin viel im Internet, ich weiß alles über die Konferenz", sagt er und lacht. Er freue sich sehr auf seinen Besuch. Als Zuhörer ist man verwundert. Branko Lustig war als Kind in den Lagern in Auschwitz und Bergen-Belsen und wird nun 60 Jahre nach der Befreiung das Geburtshaus des Mannes besuchen, der ihn umbringen wollte. "Ich bin noch am Leben, er ist tot - ist das nicht genug?", fragt er im Gespräch mit der Passauer Neuen Presse. Der 1932 in Osijek geborene Kroate, der heute in Los Angeles und Zagreb lebt, hatte vorgeschlagen, es auf Deutsch zu führen, der Pflichtsprache in der Auschwitzer Kinderstube. Er wirkt in sich ruhend, als er weiter spricht. "Wir können unser ganzes Leben schlecht über die Deutschen reden, müssen es aber nicht." Einer seiner besten Freunde sei der Regisseur Volker Schlöndorff ("Blechtrommel"). Auch habe er früher in vielen deutschen Produktionen mitgewirkt, wie den Karl-May-Filmen. Der Grundstein seiner Karriere ist der Dreh von "Ich denke oft an Piroschka" (D 1955) im ehemaligen Jugoslawien. Damals wurde er als Übersetzer für Deutsch, Serbisch, Kroatisch und Ungarisch eingestellt und ging als Regieassistent. "Die Deutschen haben mir nicht nur sehr weh getan, sie haben mir auch geholfen", betont Lustig, der Schlöndorff folgend in den 1980er Jahren nach Amerika ging. Dort lernt er 1988 Steven Spielberg kennen, der Lustig sechs Jahre später einlädt, als Produzent an dem Film "Schindlers Liste" mitzuwirken. Die Geschichte um Oskar Schindler und die "Deutsche Emaillewarenfabrik" (DEF) hat Lustig bereits zu Beginn der 1980er Jahre gelesen. Bei der Filmproduktion wuchs sein Wissen dann nicht nur über den Geschäftsmann, sondern auch über dessen Frau Emilie. "Sie war eine gute Frau, sie hat den Häftlingen etwas gekocht, ihnen eingeheizt, wenn sie froren", erzählt Lustig, der sie selbst beim Dreh des Films nur kurz gesehen hat. Ihr möchte er am Sonntagnachmittag in Waldkraiburg die letzte Ehre erweisen. Denn während ihr Mann in Israel begraben wurde, hat sie in Oberbayern ihre letzte Ruhe gefunden. Warum, das weiß Branko Lustig nicht genau. "Aber die zwei haben sich auseinander gelebt und er hatte viele Freunde in Israel", sagt er. Emilie Schindler hingegen hatte 2001 mit fast 94 Jahren vor, von Berlin ins Pflegeheim der Sudetendeutschen Stiftung nach Waldkraiburg zu ziehen. Doch ihr Gesundheitszustand erlaubte es nicht mehr. Ihre Biografin Erika Rosenberg und der Münchner Verleger Herbert Fleissner setzten sich dann für den letzten Willen von Emilie Schindler ein. "Viele Leute sind vor mir gestorben. Alle haben gesagt: Vergesst uns nicht. Sagt der Welt, wie wir gestorben sind", wiederholt er die Worte, die er bereits bei seinem ersten Oscar aussprach. Bewegt, wie er ist, fehlen ihm in diesem Moment die Worte, so sagt er in Englisch: "Ich bin heute noch stolz, dass ich sie kannte, und lebe, um von ihnen zu erzählen." "Ich bin stolz, sie gekannt zu haben" Neben seinen Filmen gedenkt er der Opfer mit einem jüdischen Filmfestival über Holocaust und Toleranz in Zagreb und berichtet Jugendlichen über die Vergangenheit und deren Folgen. Schließlich sei er einer der letzten Mohikaner, viele der Holocaust-Überlebenden sind bereits gestorben. "Alle sagen, es wird nie wieder passieren", der Holocaust, sagt er. "Aber ein bisschen passiert es, in Bosnien, in Afrika, in Asien." Deshalb befürworte er das Projekt von Andreas Maislinger, Wissenschaftlicher Leiter der "Zeitgeschichte-Tage", der aus Hitlers Geburtshaus ein "Haus der Verantwortung" machen will. "Ich bin 79 Jahre alt, ich fühl mich sehr gut, dass ich dort, in Braunau, sprechen kann", sagt Lustig. Er will vor jenem Haus Interviews führen und Gespräche suchen. "Alles andere ist fertig", sagt Branko Lustig über seine Vergangenheit. Caroline Holzschuher |
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