20. Braunauer Zeitgeschichte-Tage „Schwieriges Erbe“
19 Jahre nach dem „Unerwünschten Erbe“ 1992
Braunau am Inn, Kultur im Gugg, 23.- 25. September 2011


OÖNachrichen 24. September 2011

Was passiert mit Hitlers Geburtshaus?

Hitlers Geburtshaus in Braunau steht leer. Was soll damit geschehen? Die Frage wird dieses Wochenende bei den 20. Braunauer Zeitgeschichte-Tagen“ zentral diskutiert werden, obwohl sie nicht auf der Tagungsordnung steht.

Von Klaus Buttinger

Eine an sich einfache Situation: Ein Mieter zieht aus dem Haus aus, ein neuer kommt. Doch einfach ist im Umgang mit Hitlers Geburtshaus nichts. Da ist zum einen die sehr zurückgezogen lebende Eigentümerin: Gerlinde Pomper, eine Braunauerin. Mieter des Hauses ist das Innenministerium seit den frühen Zeiten Kreiskys. Untermieter ist die Stadt Braunau. Untergebracht im Haus war eine Tagesheimstätte der Lebenshilfe. Dazu kommt: Alles, was sich in und um das Gemäuer abspielt, in dem der „Gröfaz“ seine ersten Jahre verbrachte, steht unter genauer Beobachtung der internationalen Medien. Hitler sells.

Nicht erst seit bekannt wurde, dass die Lebenshilfe auszieht, gibt es Überlegungen, was mit dem Haus geschehen soll. Die deutsch-amerikanische Historikerin Anna Rosmus etwa lieferte ein Konzept für ein Museum der amerikanischen Befreier. Es soll nach General Reinhart, dem Kommandanten jener US-Division, benannt werden, die Oberösterreich im Mai 1945 befreite. Dafür spricht, dass die Amerikaner am 2. Mai 1945 den Versuch eines deutschen Stoßtrupps vereitelten, Hitlers Geburtshaus in die Luft zu sprengen.

Vom Historiker Andreas Maislinger, dem wissenschaftlichen Leiter der Braunauer Zeitgeschichte-Tage, stammt der Vorschlag, ein „Haus der Verantwortung“ daraus zu machen. „Es soll keine NS-Dokumentation werden – die gibt es schon am Obersalzberg, sondern eine Begegnungsstätte für junge Leute aus aller Welt“, sagt er.

„Es war schon immer so, dass einige in den Startlöchern gestanden sind mit ihren Nutzungsideen“, erinnert sich der Braunauer Rechtsanwalt Florian Lackner, der 1983 Hauseigentümerin Gerlinde Pomper vertrat. Sie hatte sich dagegen gewehrt, dass die Stadt an der Fassade eine Mahntafel anbringt. Das Gericht untersagte schließlich das Vorhaben. Statt der Tafel wurde ein Mahnstein auf die Straße vor das Haus gesetzt.

Zukunft völlig ungewiss

Braunaus Bürgermeister Hannes Waidbacher gibt sich dick bedeckt, was die Zukunft des Hauses angeht: „Gemeinsam mit dem Innenministerium überlegen wir, wie wir das Haus weiter nutzen. Zu allererst muss aber Einvernehmen mit der Hauseigentümerin hergestellt werden.“ Vorsichtig formuliert er: „Ein ,Haus der Verantwortung“ ist für mich nicht an Hitlers Geburtshaus gekoppelt. Das kann man überall machen.“ Dazu kommt die Frage der Finanzierung eines denkbaren Ankaufs durch die Stadt. „Braunau ist eine Abgangsgemeinde. Wir haben kein Geld“, sagt Waidbacher. Das mag erklären, warum der Bürgermeister trotz medialer Ankündigung seit dem Frühjahr kein Gespräch mit der Eigentümerin zustande gebracht hat.

Aber vielleicht ist wieder einmal alles Spekulieren umsonst und es zieht das Finanzamt ins Haus ein, wie ein Gerücht besagt. Was auch ein Sittenbild wäre.

Programm: 20. Zeitgeschichte-Tage, bis 25. September, nähere Infos: www.hrb.at/bzt/

 
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