20. Braunauer Zeitgeschichte-Tage „Schwieriges Erbe“
19 Jahre nach dem „Unerwünschten Erbe“ 1992
Braunau am Inn, Kultur im Gugg, 23.- 25. September 2011


Stadtamt Braunau am Inn 27. September 2011

20. Braunauer Zeitgeschichte-Tage
Oscar-Preisträger setzt emotionalen Schlusspunkt

Zahlreich Gäste aus dem In- und Ausland, dazu VertreterInnen internationaler Medien waren am Wochenende nach Braunau am Inn gekommen, um den Beiträgen renommierter Forscherpersönlichkeiten und den Diskussionen zu folgen, die alle um das Thema der heurigen Tagung kreisten: Wie wird mit einem „Schwierigen Erbe“ umgegangen, das aus der Vergangenheit resultiert? Ein besonderes Highlight war die Teilnahme des zweifachen Oscar-Preisträgers Branko Lustig, Produzent der Hollywood-Filme „Schindlers Liste“ und „Gladiator“, der nach vielen Jahren erstmals wieder nach Österreich kam und gleich alle drei Tage an den 20. Braunauer Zeitgeschichte-Tagen teilnahm.

Die Geburtsorte von Hitler, Mussolini und Stalin wurde ebenso behandelt wie der Obersalzberg, der ja praktisch Hitlers zweiter Regierungssitz und Ort verbrecherischer Entscheidungen war. Wie lebt man in Dachau und Mauthausen mit der Vergangenheit als Standorte von berüchtigten Konzentrationslagern, was geschieht an weniger bekannten Stätten wie Kaufering und Zipf, um Spuren zu bewahren, die Erinnerung zu sichern? Dass sich die Braunauer PolitikerInnen dem „Unerwünschten Erbe“ offen stellen und verantwortungsvoll damit umgehen, wurde auch im Vergleich mit anderen Stätten positiv vermerkt.

Persönliche Betroffenheit lösten zwei Beiträge am Sonntag aus: Jens-Jürgen Ventzki sprach darüber, wie er zufällig auf die tabuisierte Vergangenheit seines Vaters stieß: Ab 1941 war dieser Oberbürgermeister von Lódz im besetzten Polen, ihm unterstand die Verwaltung des nach Warschau zweitgrößten Ghettos „Litzmannstadt“, in dem Tausende den Tod erlitten, das aber wie andere NS-Ghettos vor allem als Zwischenstation vor der Deportation in Massenvernichtungslager wie Chelmno, Treblinka oder Sobibor diente.

Der zutiefst berührende Schlusspunkt war der Bericht von Branko Lustig. Der zweifache Oscar-Preisträger breitete vor zahlreichen ZuhörerInnen seine Lebensgeschichte aus. Sein Weg führte ihn, den Sohn eines jüdischen Oberkellners im jugoslawischen Osijek, als Kind in die KZs Auschwitz und Bergen-Belsen, in die Nachbarschaft von Anne Frank. Er überlebte, wie er sagte, mit Glück, weil er zur rechten Zeit am rechten Ort war. Seine Empfindungen als Überlebender fasste er kurz zusammen: „Hitler ist tot, ich lebe – also wer hat gewonnen?“ Er empfinde es als Auftrag, seinen Beitrag dazu zu leisten, dass die Vergangenheit nicht vergessen wird.

Nach der Tagung in Braunau legten Branko Lustig, der seinen ersten Oscar 1994 als Produzent des Filmes „Schindlers Liste“ bekommen hatte, und seine Frau am Grab von Emilie Schindler in Waldkraiburg Blumen nieder. Auch Erika Rosenberg, Biographin und wohl engste Freundin Emilie Schindlers, war anwesend und bedankte sich dafür bei Branko Lustig.

Oscar-Preisträger Branko Lustig mit Bürgermeister Mag. Johannes Waidbacher, Dr. Andreas Maislinger und Gedenkdienern bei den 20. Braunauer Zeitgeschichte-Tagen 2011.

27.09.2011

 
 stadt braunau
 hrb
 aktuell
 programm
 ausstellung
 anmeldung
 archiv
 referenten
 sponsoren
 links
 kontakt
 verein
 short info english
 other languages
Seitenanfang