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20. Braunauer Zeitgeschichte-Tage „Schwieriges Erbe“
19 Jahre nach dem „Unerwünschten Erbe“ 1992
Braunau am Inn, Kultur im Gugg, 23.- 25. September 2011
Bezirksrundschau Braunau 28. September 2011
Oscarpreisträger Branko Lustig zu Gast bei den Braunauer Zeitgeschichtetagen
BRAUNAU (gei). Es ist und wird immer ein schwieriges Thema bleiben: der Umgang mit dem „braunen“ Erbe der NS-Zeit. Wie hat man sich nach der Naziherrschaft des 1000-jährigen Reiches mit dessen Nachlass auseinandergesetzt? Antworten auf diese Frage gab Albert Feiber vom Münchner Institut der Zeitgeschichte. „Vermarktung, Verdrängung, Vermittlung – Der Obersalzberg nach 1945“ lautete sein Thema. Anders als der Obersalzberg wurde das Geburtshaus des Führers in der Salzburger Vorstadt nicht zur Pilgerstätte von alten und neuen Nazis.
Vermarktung des Obersalzberges
Feiber erläuterte die Entwicklung des idyllischen Ortes in Berchtesgaden. Nach seinen Recherchen war Hitler nie mit seiner Geburtsstadt Braunau eng verbunden, viel mehr Zeit verbrachte er auf dem Obersalzberg. Ab 1923 wurde er Hitlers Feriendomizil. 1928 mietete er das Haus Wachenfeld, das er im Sommer 1933 aus den Tantiemen seines Buches „Mein Kampf“ kaufte und in „Berghof“ umbenannte. Oft verbrachte er mehrere Monate hier, um die Regierungsgeschäfte zu leiten. Ab 1937 wurde die Reichskanzlei-Dienststelle Berchtesgaden zweiter Regierungssitz. Feiber erläuterte, dass an dem Ort auch wichtige Entscheidungen getroffen wurden, die man medienwirksam inszenierte.
Nach der Zerstörung der Anlage am 25. April 1945 setzten unmittelbar danach Plünderungen ein. Soldaten und Anwohner versorgten sich mit allerlei Souvenirs. Erst ein Zugangsverbot für das ehemalige Sperrgebiet brachte wieder Ruhe auf dem Berg. Doch bereits 1949 wurde das Betretungsverbot wieder aufgehoben und der Run auf die Überbleibsel der NS-Diktatur setzte von Neuem ein. Kritisch sah Feiber die neue Variante des Hitler-Merchandisings, wenngleich die Region durch den Verkauf von Ansichtskarten und sonstigen Mitbringseln einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Erst 1999 wurde am Hintereck die Dokumention Obersalzberg eröffnet, die sich mit der Geschichte des Obersalzberges während der Hitler-Zeit befasst. Damit wurde auch ein wichtiger Baustein gegen die kommerzielle Ausbeutung der Fremdenverkehrsinteressen gelegt, da in reißerischen Hochglanzbroschüren und Souvenirs mit nationalsozialistischen Motiven die Geschichte verklärt und das NS-Regime verharmlost wird.
Bereits zuvor ging Bürgermeister Johannes Waidbacher in seinen Grußworten auf diese Zeit ein. „Dass man ihr radikales Programm unterschätzte oder einfach ignorierte, wird für mich schon unverständlicher. Dass es aber 66 Jahre nach Kriegsende noch immer oder schon wieder Menschen gibt, die dieser verkehrten Ideologie etwas abgewinnen können und die schrecklichen Auswirkungen leugnen, macht mich traurig und wütend.“
19 Jahre Zeitgeschichtetage
Florian Kotanko, Obmann des Vereins für Zeitgeschichte, erinnerte an den Beginn dieser Veranstaltung. 1992 waren es vier Persönlichkeiten, die den Grundstein für diese Veranstaltung legten. Sein Dank richtete sich an Gerhard Skiba, Wolfgang Simböck, Erich Marschall und Andreas Maislinger. Die Präsidentin des österreichischen Nationalrates, Barbara Prammer, erinnerte daran, dass es in Österreich viele Orte gibt, die ein schwieriges Erbe besitzen. Bürgermeister Franz Rasp aus Berchtesgaden wollte die Entscheidungen seiner Gemeinde in der Vergangenheit nicht verteidigen.
„Viele Stimmen und Entscheidungen wurden damals aus der Angst heraus geprägt“, erklärte Rasp. Der zweifache Oscarpreisträger Branko Lustig stand am Sonntag den Gästen Rede und Antwort. Dabei schilderte er seinen Lebensweg, der von seiner Geburtsstadt Osijek/Kroatien über Auschwitz nach Hollywood führte. Das Gespräch mit dem Produzenten von „Schindlers Liste“ und „Gladiator“ setzte den Schlusspunkt der dreitägigen Tagung. Nach dem Vortrag ging es noch nach Waldkraiburg (Bayern) an das Grab von Emilie Schindler.
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