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Braunauer Rundschau,
28. 9. 1995
Brunnen für Franz Jägerstätter
Skiba nimmt neuen Anlauf
Braunauer Bürgermeister:
Partei hat Angst vor dem Wählerverhalten
BRAUNAU / ST.
RADEGUND. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Getreu diesem Motto
kündigte Braunas Bürgermeister Gerhard Skiba bei den Zeitgeschichte-Tagen
einen neuerlichen Vorstoß an, Franz Jägerstätter eine
Straße und einen Brunnen in der Bezirksstadt zu widmen. Wie berichtet,
hatte Skibas Partei, die SPO, einen dementsprechenden Gemeinderatsbeschluß
revidiert. "Und Braunau damit großen öffentlichen Schaden
zugefügt", gab Dr. Andreas Maislinger, der wissenschaftliche
Leiter der Zeitgeschichte-Tage, das weltweite Presseecho wieder.
Welche Ursachen
dieser Meinungsumschwung in Braunau hatte, darüber waren sich meisten
Diskutanten im Theater Gugg rasch einig: Das Schielen auf Wählerstimmen.
Bürgermeister Skiba ortet das Problem folgendermaßen:
"Der Grund,
warum wir bis her noch zu keiner positiven Entscheidung gelangt sind,
ist die Angst vor dem Wählerverhalten. Die Angst, daß wir
mit der Pro-Jägerstätter-Linie zu stark polarisieren. Und
genau diesen Grund kann und will ich nicht akzeptieren". Stadtrat
Günter Schmalzl von der SPÖ verteidigte die Haltung der Partei,
die in der Frage Jägerstätter eben gespalten sei: "Die
Menschen sind uns angegangen, ob es notwendig sei, so stark zu polarisieren.
Sie haben uns gesagt, daß wir uns den wichtigeren Aufgaben zuwenden
sollen".
Die ÖVP werde,
so Gemeinderat Johann Spicker, sich erneut mit dem Thema Jägerstätter
auseinandersetzen. "Vielleicht war der Schritt zurück gut,
um sich nochmals alle Argumente für die Entscheidung anzuhören.
Uns hat einfach eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Jägerstätter
gefehlt", so Spicker. Dem widersprachen Dr. Oskar Bertl vom FMU
und sein Vorgänger Rudolf Fischeneder. "Seit 1986 diskutieren
wir über Jägerstätter. Jetzt auf einmal sollen wir noch
nicht reif sein für eine Entscheidung? Wir wollen in Braunau nicht
nur die Person von Jägerstätter ehren, sondern seine Haltung
- und das stellvertretend für viele Widerstandskämpfer",
so Dr. Bertl.
Ich will Frieden
in meiner Gemeinde
Bürgermeister
Isidor Hofbauer aus St. Radegund, der Heimatgemeinde des Wehrdienstverweigerers,
berichtete von seinen Bemühungen, Gegner, Befürworter und
Unentschlossene in der Jägerstätter-Frage nicht gegeneinander
auszuspielen. "Mir geht es um den Frieden in meiner Gemeinde",
so Hofbauer.
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