Die Presse, 26./27. August 1995

Spekulation um Jägerstätter

Sympathisierte der Innviertler Wehrdienstverweigerer Franz Jägerstätter mit den Zeugen Jehovas? Dies erörtern Experten in Braunau.

LINZ (apa). Das Generalthema der vom 22. bis 24. September angesetzten Zeitgeschichte-Tage in Braunau lautet "Not-wendiger Verrat", die Person des unter dem NS-Regime hingerichteten Familienvaters, Bauern und Mesners Franz Jägerstätter steht dabei im Mittelpunkt. Dieser hat bekanntlich aus religiöser Überzeugung den Dienst an der Waffe für Hitler-Deutschland abgelehnt.

Laut Andreas Maislinger, dem Initiator der Zeitgeschichte-Tage, wisse man, dassdaß "gute Bekannte von Jägerstätter Zeugen Jehovas waren". Man dürfe daher die Frage nach dem Verhältnis des Mannes zu der Sekte nicht ausklammern, sagt Maislinger. Daher werden sich nun Historiker, Religionswissenschaftler, Vertreter des Kameradschaftsbundes sowie Repräsentanten der Bundesvereinigung der Opfer der NS Justiz mit dieser brisanten Frage auseinandersetzen. Geladen wurden auch Sektenvertreter.

Für den 1943 hingerichteten St. Radegunder Jägerstätter ist im übrigen ein Seligsprechungsprozeß im Gange. Die Zeitgeschichte-Tage dienen heuer auch der Vorbereitung für ein vom Österreichischen Gedenkdienst veranstaltetes deutschsprachiges Seminar in Yad Vashem, der zentralen Holocaust-Gedenkstätte Israels in Jerusalem, zum Thema "Holocaust und Antisemitismus".

 
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