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Deutsche Tagespost, 12. Oktober 1995 Vorbild des mündigen StaatsbürgersWeihbischof Laun für die Seligsprechung des Kriegsdienstverweigerers Franz JägerstättersBRAUNAU (DT). "Franz Jägerstätter verdient kirchlich anerkannt und selig gesprochen zu werden, denn er hat mit großer Klarheit erkannt, daß man als Christ nicht an einem ungerechten Krieg teilnehmen darf." Das hat der Salzburger Weihbischof Laun bei den vierten Braunauer Zeitgeschichte-Tagen erklärt, die sich in diesem Jahr unter dem Thema "Not-wendiger Verrat" mit dem oberösterreichischen Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter beschäftigten. Der aus einfachen Verhältnissen aus St. Radegund im Bezirk Braunau am Inn stammende Jägerstätter hatte sich aus Gewissensgründen geweigert, am Rußlandfeldzug teilzunehmen und war am 9. August 1943 in Berlin enthauptet worden. Weihbischof Laun erinnerte an das Wort von Kardinal König, daß es heute im Grunde genommen keine gerechten Kriege gebe. Schon die Kirchenväter hätten als einziges Motiv für die Teilnahme von Christen am Kriegsdienst nur die legitime Verteidigung im Sinne der Notwehr gelten lassen. Zu der Schwierigkeit bei der Beurteilung, ob ein Kriegsanlaß dieser Voraussetzung entspreche, kamen heute die modernen Massenvernichtungsmittel, deren Anwendung aus moraltheologischer Sicht verwerflich sei, weil sie völlig Unschuldige töteten. Oberstleutnant Johann Berger von der Landesverteidigungsakademie aus Wien hob hervor, Jägerstätter habe nicht grundsätzlich den Wehrdienst abgelehnt, sondern nur die Teilnahme an Hitlers Angriffskrieg gegen die Sowjetunion. Jägerstätter sei das Vorbild eines mündigen Staatsbürgers, der aus seiner Gewissensentscheidung für sich die Konsequenz zog und den Mut hatte, sie bis zum bitteren Ende in die Tat umzusetzen. Berger begrüßte den Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft katholischer Soldaten in Österreich, die bisherige Kirchdorf-Kaserne im Krems in Oberösterreich in Franz-Jägerstätter-Kaserne umzubenennen. Bedenken gegen die Seligsprechung Jägerstätters äußerte Ferdinand Brunnbauer vom österreichischen "Kameradschaftsbund", einem Zusammenschluß ehemaliger Kriegsteilnehmer. Brunnbauer nannte Jägerstätter einen religiösen Phantasten, welcher der Obrigkeit den schuldigen Gehorsam verweigerte, während seine Altersgenossen Leib und Leben für ihr Vaterland einsetzten. Wenn man heute Jägerstätter als Vorbild hinstelle, sei das eine Diskriminierung der Kriegsgeneration, sagte Brunnbauer. Dem widersprach Wolfram Wette vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg im Breisgau, indem er auf die tragische Situation, in der sich die deutschen Soldaten befunden haben, verwies. Aus heutiger Sicht müsse man eindeutig feststellen, daß Hitler die deutschen Soldaten für seine verbrecherischen Eroberungskriege mißbraucht habe. Jägerstätter sei im übrigen bereit gewesen, Sanitätsdienst zu leisten, trotzdem sei er zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Julius Bittmann |
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