Oberösterreichische Rundschau 15. September 1994

Kommentar
Josef Lehner

Auf ins KZ!

Hochachtung, Braunau! Nur weil ein frustrierter Größenwahnsinninger zufällig in der größten Innviertler Stadt geboren worden ist, veranstaltet sie in diesen Tagen, schon zum dritten Mal, Zeitgeschichtstage, will sie eine Adolf-Hitler-Mahnstätte schaffen.

Andere üben den politischen Vor- und Rücksichtl. Wels verteidigt beharrlich seine Gedenktafel an den SS-Traditionsverband. Und das ganze Land ignoriert am liebsten jenes Denkmal, das an das schlimmste Geschehen der NS-Zeit erinnern soll: das KZ Mauthausen. 100.000 Menschen sind bestialisch umgebracht oder einem schrecklichen Tod überlassen worden.

Dagegen erhält Mondsee zum zweiten Mal eine Landesausstellung, auch wenn´s keinen Anlaß gibt. Warum Anlaß? Schon 1988 hat das Land gerätselt, welches Thema es im Schloß Weinberg darstellen sollte. An das nur 15 Kilometer entfernte Mauthausen hat in der rund 30jährigen Geschichte dieser aufwendigen Landesschauen niemand gedacht.

Diese Mutprobe können die Politiker wohlbegründet ablehnen: Das völlig veraltete KZ-Museum untersteht dem Innenministerium. Kapiert: Kompetenz und Gewissen nach Wien delegiert. Ges(ch)ichtslosigkeit rächt sich. Wenn´s die Kriegs- und Nachkriegsgeneration schon nicht schafft, Fakten von Legenden zu trennen: Wie sollen die Nachgeborenen verstehen, wie Faschismus, Radikalismus, Rassismus funktionieren?

Auf ins KZ! Macht eine außerordentliche Landesausstellung zur 50jährigen Befreiung der KZ-Insassen, die sonst im Mai 1995 spurlos an der breiten Öffentlichkeit vorübergehen wird! Schafft eine Gedenkstätte, die der Todesfabrik gerecht wird: zeitgemäß, in Bild, Wort, mit Computer-Simulation, Diskussion, Reflexion. Eine riesige Chance für Oberösterreich und seine Menschen.

 
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