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Passauer Neue Presse, 29. 9. 1998Plakativ und doch vielschichtig7. Braunauer Zeitgeschichte-Tage mit "Belasteten Namen""Belastete Namen" waren am Wochenende das Thema der 7. Braunauer Zeitgeschichte-Tage, die der Verein für Zeitgeschichte in der Innviertler Stadt durchführte. PNP-Redakteurin Dr. Edith Rabenstein sprach mit dem wissenschaftlichen Leiter der Tagung, Politikwissenschafter Dr. Andreas Maislinger (Innsbruck). Nachdem im vergangenen Jahr das Thema der Zeitgeschichte-Tage "Go west" und die amerikanische Nachkriegspolitik war, haben Sie heuer mit "Belastete Namen" ein populäres Thema gewählt. Wie kam es dazu? 1992 haben die ersten Zeitgeschichte-Tage stattgefunden mit Vertretern von Orten, die ein unerwünschtes Erbe und damit auch einen belasteten Namen aufweisen. Beim Gespräch der Bürgermeister und Historiker aus Dachau, Mauthausen, Auschwitz und Braunau entstand die Idee, eine Tagung mit diesem Thema durchzuführen. Ursprünglich wollten wir dabei Kinder und Enkel von NS-Tätern einladen. Bei der Planung habe ich festgestellt, daß dieses Thema von Tagungen schon behandelt worden ist. So hatte ich die Idee, auch Menschen einzuladen, die zufällig solchen Namen tragen, zum Beispiel einen Polier namens Heinrich Himmler aus Mauerkirchen. Daraus haben sich weitere interessante Fragestellungen ergeben, vor allem in Kontakt mit dem Namensforscher Dr. Thomas Brechenmacher aus München. Die Thematik war heuer nicht so streng wissenschaftlich orientiert wie in den vergangenen Jahren... Das Thema hat sehr breites Interesse gefunden. Es wurden nicht nur die Forschungsergebnisse zum Beispiel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und in den großen österreichischen Medien vorgestellt, sondern es wurden auch die menschlichen Aspekte in den populären Medien dargestellt und diskutiert. Das scheint mir sehr wichtig. Denn ein Ergebnis der Tagung ist, daß hier Menschen durch ihre Namen, die ihnen in der NS-Zeit gegeben worden sind, ein Leben lang Leid erfahren haben und jetzt darüber reden konnten. Ein Beispiel: Eine Frau mit dem Namen Adolfine hat sich für die Tagung gemeldet und sehr eindringlich erzählt, welches Programm ihr mit dem Namen mitgegeben wurde und wie er sie geprägt hat und bis heute belastet. Es hat ihr gut getan, darüber sprechen zu können; im Publikum und bei Referenten hat sich Verständnis und Anteilnahme gefunden. Wie hat das Publikum auf das doch sehr neuartig gestaltete Programm reagiert? Die Resonanz war gut, auch weil es sehr viel persönliche Anteilnahme gab. Das Entscheidende war, daß das Thema plakativ wirkt und tatsächlich doch sehr vielschichtig ist. Außerdem berührt es jeden Menschen, weil jeder wissen will: Was bedeutet (m)ein Name, wo kommt er her? usw. Die Leute sind sehr neugierig geworden und fragen jetzt schon nach dem Buch, daß Brechenmacher und Michael Wolffsohn im Frühjahr zu dem Thema im Diana-Verlag in München herausbringen werden. Sie hatte ja auch sehr prominente Redner bei der Tagung, so Dr. Grottfried Wagner, Ur-Enkel von Richard Wagner, und Helmut Seyss-Inquart, Enkel von Arthur Seyss-Inquart. Welche Ergebnisse gab es bei den Vorträgen/Diskussionen?
Gottfried Wagners Vortrag faszinierte das Publikum. Anschließend gab es eine fruchtbare Diskussion mit Prof.Dr. Burkhard Schmidt von der Kunsthoch- schule in Offenbach, die sich auf den Philosophen Ernst Bloch ("Das Prinzip Hoffnung") und seine Rolle in Bayreuth bezog. In der Diskussion konnte Wagner Schmidt, den langjährigen Mitarbeiter Blochs, über die tatsächliche Rolle Blochs als "Feigenblatt" im Bayreuther Festspielgeschehen aufklären. Daraus entstand die Idee zu einem gemeinsamen Forschungsprojekt "Ernst Bloch und Bayreuth". Die zweite prominente Persönlichkeit war Helmut Seyss-Inquart, der in der Nähe von Salzburg lebt. Er fällt unter den Kindern und Enkeln von NS-Tätern auf, weil er einerseits die Verbrechen seines Vorfahren eindeutig verurteilt, aber andererseits seinen Großvater nicht verstoßen hat.
Sie fällt die Bilanz der 7. Braunauer Zeitgeschichte-Tage aus? Was ist im nächsten Jahr geplant?
Die Tagung war bisher der größte Erfolg in Braunau. Die einzelnen Veranstaltungen waren mit jeweils rund 100 Besuchern gut ausgelastet. Das Thema ist bei den Medien auf breites Interesse gestoßen. Dies alles veranlaßt uns dazu, den Kreis in Braunau zu erweitern. Ab kommendem Jahr wollen wir mit den Zeitgeschichte-Tagen ein internationales Forum für Referenten und Besucher schaffen. Die 8. Braunauer Zeitgeschichte-Tage werden sich unter dem Titel "Versteinerete Ideologien" mit Architektur des Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus beschäftigen.
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