Austria Presse Agentur 25. September 1999

Braunauer Zeitgeschichte-Tage

Menschenrechtler Zülch: "Aktuelle Vertreibungen wahrnehmen"
Bürgermeister Skiba betonte Braunau als "Ort der Begegnung"

Braunau (APA) - Der Leiter der Gesellschaft für bedrohte Völker, Tilman Zülch, betonte Freitag in seiner Eröffnungsrede der Braunauer Zeitgeschichte-Tage die Aktualität von Vertreibung und Völkermord in der heutigen Zeit. Es sei notwendig, "von Ideologien wegzukommen, und sich an den Verbrechen selbst zu orientieren, so der Menschenrechtler. Der Braunauer Bürgermeister Gerhard Skiba sagte, dass die Stadt Braunau gerne als "Ort des Zusammentreffens, als Ort der Diskussion" gesehen wird. aus diesem Grund gebe es auch ein unvermindertes Interesse an der Fortführung der Zeitgeschichte-Tage.

Zülch betonte, dass es "typisch" für die politische Lösung von Flüchtlingsfragen in Europa sein, dass mit dem Zürückschicken der Flüchtlinge in ihre Heimat das "Problem" als "gelöst" betrachtet werde. Dies sei unsinnig, so Zülch, und so, wie "wenn man Wasser in einen Kessel kochenden Wassers schüttet". Die "kosovarische Realität" sehe auch heute kein Ende der Vertreibungen. Aktuelle Vertreibungen von Angehörigen der Roma im Kosovo würden dies aufzeigen. Wenn wir heute ständig "den Holocaust beweinen" würden, dann müssten die Politiker auch den aktuellen Vertreibungen "zu Leibe rücken", kritisierte Zülch das Nicht-Handeln vieler europäischer Demokratien im Zusammenhang mit den Konflikten im ehemaligen Jugoslawien.

Zülch merkte auch an, dass Versöhnung "etwas Schönes" sein könne, die Frage sei allerdings, wer sich mit wem versöhne. Bezug nehmend auf Serbien und auf die Hauptverantwortlichen in Belgrad sei Versöhnung allerdings "unsinnig", denn diese müssten sich zuerst ihre "Taten eingestehen" und dann zurücktreten.

 
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