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Neues Volksblatt 7. Oktober 1999 Braunau ist nicht des Teufels Bethlehem
Heuer nahm ich erstmalig an den "Braunauer Zeitgeschichte-Tagen", 24. bis 26. September 1999, teil. Mein ursprüngliches Misstrauen war völlig unbegründet. Ich fand eine gediegen vorbereitete und von Dr. Andreas Maislinger straff geleitete Veranstaltung. Wohl hatte die Tagung das "Problem der Versöhnung" zum Kernthema, jedoch verfiel sie nie in ein billiges "Versöhnlertum", das bestehende Spannungen nur verniedlicht, überkleistert, nicht aber zu deren Abbau beiträgt. Einziger Wermutstropfen war für mich nicht das Fernbleiben eines Vertreters der jugoslawischen Botschaft an sich, sondern die fadenscheinige Begründung der Absage mit "Braunau sei ein belasteter Ort". Weder der Stadt Braunau noch den Braunauern kann man zurechnen, dass dort am 20. April 1889 in einer schlichten Schlafkammer Adolf Hitler vollkommen unbemerkt von der Welt zur Welt kam. Was hätten die Bewohner Braunaus zur Abwehr dieses Ereignisses damals denn tun können? Es gab zur Zeit dieser Geburt keinerlei drohende Himmels- oder Höllenzeichen, weder Mond- noch Sonnenfinsternis. Der Prophet Jesaia hatte vorausgesagt, dass der "Erlöser Israels" in Bethlehem geboren würde. Für Braunau gab es nicht die leiseste Andeutung, nicht einmal Nostradamus ahnte, dass in dieser Stadt der "Verderber der Welt" geboren würde. Hätte die jugoslawische Botschaft einen Vertreter zu den Zeitgeschichte-Tagen entsandt, hätten sie dort erfahren, dass die Untaten Einzelner nicht einem ganzen Volke zugrechnet werden können. Referenten und Publikum wehrten sich entschieden gegen "objektive Schuld", die in der Anfangszeit der Sowjetunion eine bestimmende Rolle gespielt hatte. Der Botschaft blieb es vorbehalten, mit der Art ihrer Absage diesen unseligen Begriff wieder aus der "Mülltonne der Geschichte" hervorzuholen. Hofrat Dr. Martin
Stieger |
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