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Oberösterreichische
Nachrichten 27. 9. 1999
Zeitgeschichte-Tage:
Versöhnung gelingt
erst nach dem Eingeständnis der Schuld
BRAUNAU.
Den schwierigen, aber unausweichlichen Weg der Versöhnung
erörterten Experten und Betroffene bei den Zeitgeschichte-Tagen.
"Notwendige
Begegnungen" war das Motto der diesjährigen Veranstaltung
des Braunauer Vereins für Zeitgeschichte. Albaner, Bosnier, Kroaten
und Serben waren geladen, um einerseits Ursachen und Fakten der Konflikte
zu diskutieren und andererseits vorsichtig neue Wege möglicher
Versöhnung zu suchen. Dazu kamen "Pioniere" der Versöhnung
zwischen Deutschen und Franzosen, Deutschen und Russen sowie Deutschen
und Juden.
Schon zu Beginn
der Veranstaltung zeichnete Tilman Zülch, Leiter der Gesellschaft
für bedrohte Völker, ein düsteres Bild der aktuellen
Situation und hielt sich mit Kritik an der Flüchtlingspolitik Europas
nicht zurück. Es sei typisch für die politische Lösung
von Flüchtlingsfragen in Europa, dass man das Problem mit dem Zurückschicken
der Flüchtlinge in ihre Heimat als gelöst betrachte. "Das
ist so, wie wenn man Wasser in einen Kessel kochenden Wassers schüttet",
hält Zülch diese Haltung für unsinnig. Im Kosovo sei
jetzt noch kein Ende der Vertreibungen zu sehen, nun aber seien nicht
Albaner, sondern vor allem Roma die Betroffenen.
Wenn man ständig
den Holocaust beweine, müsse man auch aktuellen Vertreibungen zu
Leibe rücken, rief Zülch die europäischen Demokratien
zum Handeln auf. Versöhnung könne etwas Schönes sein,
die Frage sei, wer sich mit wem versöhne. Am Beispiel Serbien werde
klar, dass Versöhnung unsinnig sei, solange die Hauptverantwortlichen
in Belgrad ihre Taten nicht eingestehen und zurücktreten. Das sieht
auch Zeitgeschichte-Tage-Leiter Andreas Maislinger als Voraussetzung:
"Alle erfolgreichen Versöhnungsversuche haben mit dem Eingeständnis
der Schuld durch die Täter begonnen."
Wie schwer der
Anfang ist, zeigte auch der Eklat im Vorfeld: Die jugoslawische Botschaft
lehnte eine Teilnahme mit der Begründung ab, Braunau sei als Stadt
historisch zu belastet.
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