9. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Getrennte Wege"
Deutsche, Juden, Österreicher, Tschechen


Dokumente der Trennung

"sollen wir nicht vergessen, daß der Jude und der Deutsche als fremde Elemente unter uns weilen"

Ausführungen des Gründungsmitgliedes der "Národni obrana" und Herausgebers der Zeitschrift "Vyehrad" Jan Klecanda über die Juden und Deutschen der böhmischen Länder in seiner 1897 als Nr. 1 der "Epiioly ‚Národni obrany’" (Epistel der ‚Nationalen Verteidigung’) in Prag herausgegebenen Schrift "Svj k svému" (Jeder zu den Seinen).

[... Auch in diesem Falle sollten wir nicht vergessen, daß der Jude und der Deutsche als fremde Elemente unter uns weilen, daß das, was sie von uns und bei uns erwerben, für unseren Nationalbesitz verloren ist. Und weil es unsere Pflicht ist, den Nationalbesitz zu schützen, versündigen wir uns an unserem Volk und an uns selbst, wenn wir, statt einen von uns zu unterstützen, ihn, den Konkurrenten, den Fremdling unterstützen. Sie sind Juden und werden unter uns immer Fremde bleiben! Sie fühlen nicht mit uns, sie wollen nicht mit uns für den kulturellen Aufschwung der Nation arbeiten, ja selbst für das augenfälligste Unrecht, das wir in unserer ureigensten Heimat erdulden müssen, haben sie keinen Sinn. Und was noch schlimmer ist: Die Juden nehmen überall und immer eine feindliche Haltung zu unseren Bestrebungen ein, sie unterstützen mit geradezu unbegreiflichem Eifer unsere nationalen Feine in ihrem Kampf, der darauf abzielt, uns zu überwältigen. Es gab Zeiten, da sagte man bei uns und glaubte daran, daß die Nachkommen des unterdrückten und verfolgten jüdischen Volkes, die in unserem Volk freundliche Annahme fanden, sich um so mehr uns anschließen und vielleicht mit uns ganz verschmelzen würden, als auch wir ein unterdrücktes und verfolgtes Volk sind. Daran glaubt aber heute niemand mehr wirklich. Diese wenigen tschechischen Juden, die sich als Tschechen fühlen, ihre Familien tschechisch heranziehen usw., das sind Ausnahmen, rühmliche zwar, aber seltene. Das Traurigste dabei ist, daß man dem jüdischen "Tschechentum" nicht so unbedingt aufs Wort glauben darf, da uns das tägliche Leben immer wieder Beispiele dafür bringt, daß ein eifriger "tschechischer Patriot" über nacht zu "deutschen Patrioten" wurde, ja sogar zu unserem verbissenen Feind, wenn er darin seinen Vorteil sah. die Erfahrung lehrt uns, daß ein Deutscher oder ein Angehöriger jedweden anderen Volkes, wenn er sich als kleiner Händler oder Handwerker unter uns, in einer rein tschechischen Stadt, niederläßt schon in der zweiten Generation zum Tschechen wird. Seine Kinder sprechen dann nicht nur tschechisch sondern sie denken und fühlen auch so; die Enkel haben gar keine Ahnung mehr von ihrer fremden Herkunft. Der Jude aber, er bewahrt seine Nationalität wie auch seinen Glauben (was wir ihm nicht negativ auslegen können), aber auch seine Gleichgültigkeit gegenüber unseren tschechischen Angelegenheiten, den lebenswichtigen Fragen des Volkes, unter dem er lebt. Wir müssen also schon mit der Tatsache rechnen: Die Juden gehören zu sich selbst, sie sind ein besonderes Volk, das zwar auf verschiedne Art und Weise unter uns lebt, sie sind uns aber fremd, und wir müssen unser Verhalten ihnen gegenüber danach richten. wir werden sie nicht verfolgen, werden sie keinen Schikanen aussetzen, was ja auch gar nicht in unserer gastfreundlichen Art liegt: aber wir werden sie in ihren Unternehmungen nicht unterstützen, weil sie uns fremd sind und wir ihnen gegenüber keine positiven Verpflichtungen haben. Wir werden nicht unser Geld zu ihnen bringen, sie nicht wirtschaftlich stärken. Seien wir immer dessen bewußt – um was ich meinen Gegner stärke, um das schwäche ich mich selbst. Aber ebenso werden wir uns dem Angehörigen eines jeden anderen Volkes entgegenstellen, der sich unter uns ansiedeln und uns dabei in unserer eigenen Existenz bedrohen möchte. Ob also nun Jude oder Türke, Deutscher oder Magyare, sobald sich ein Fremder bei uns mit der Absicht niederläßt, uns auszubeuten, um dann entweder mit seiner Beute wegzugehen oder uns endgültig zu unterwerfen, es ist immer unsere Pflicht, sich ihm entgegenzustellen, zum Schutze unseres nationalen Besitzstandes. Allerdings haben wir hier fast nur ein einziges Mittel, wenn wir die Grenzen des Erlaubten nicht überschreiten wollen. Es ist aber ein ausreichend potentes Mittel und dabei völlig legal gegen das niemand etwas einwenden kann: Richten wir uns nach der Losung "Jeder zu den Seinen", unterstützen wir den tschechischen Menschen und die tschechische Arbeit und übergehen wir einfach den Fremden. hier reicht es dann freilich nicht mehr, zu sagen: "Kaufen wir nur bei Tschechen ein" (übrigens wollen wir auch gar nicht, daß sich mit dieser Order die ganze Parole "Jeder zu den Seinen" erschöpft).

Hier muß eine weitere Arbeit in Angriff genommen werden: Wir müssen uns zu dem Zweck organisieren, um jene Industrie- und Handelszweige, die heute vom Ausland und von Ausländern beherrscht werden, allmählich in unsere Hände zu bekommen. In dieser Hinsicht erwartet uns allerdings eine große, ja geradezu riesengroße Arbeit, denn – und das dürfen wir uns nicht verheimlichen – unser wirtschaftlicher Niedergang ist groß, und im Bereich von Industrie und Handel sind wir weit, weit hinter den Deutschen und Juden zurückgeblieben. Man muß nur die Statistiken der Fabriken und Großbetriebe in den böhmischen Ländern zur Hand nehmen, und schon sehen wir, welch geringer Prozentsatz sich davon in tschechischer Hand befindet. Auch solche Bereiche, die einst tschechische Spezialität waren, haben wir uns entreißen lassen. In der Eisenproduktion, im Hüttenwesen und in der chemischen Industrie sind die Deutschen und Juden absolut die Herren. Die Porzellanherstellung ist gänzlich in Ihren Händen, und bei der Glasindustrie sehe wir, daß sie sich eines tschechischen Betriebes nach dem anderen bemächtigen. Die Papierindustrie schließt die Verwirklichung der Parole "Jeder zu den Seinen" völlig aus, denn selbst wenn wir uns an den tschechischen Händler binden, so muß dieser doch die Ware beim Deutschen oder beim Juden beziehen. Auch die Spinnereien befinden sich in fremden Händen, denn wir besitzen weniger als 10% aller Betriebe, und das sind auch noch die kleineren Werke. Ähnlich sieht es auch bei der Tuchmacherei aus, dieser einst so blühenden tschechischen Industrie. Über die tschechischen Zuckerrübenfabriken und Spiritusbrennereien braucht man gar nicht zu sprechen.