Tschechiens
Regierung lässt bei Temelin keine Einwände zu
(Die Welt, aus der aktuellen Meldung der Republik Österreich, 19.
September 2000)
Erneut Panne
vor Inbetriebnahme des AKW
Prag - Mit Feuerwerk
und Sekt wird die neue strahlende Zukunft aus Südböhmen nicht gefeiert
werden. Die Betreiber des voraussichtlich noch in diesem Monat vor der
ersten Kernspaltung stehenden Atomkraftwerks Temelin wissen nicht, wie
sie die Sicherheit der hochrangigen Gäste aus Prag garantieren sollen,
haben die geplante Party auf der Burg von Cesky Krumlov (Krummau) deshalb
abgesagt. Von Sicherheitsbedenken wegen des AKW selbst werden sie jedoch
offenbar nicht geplagt.
"Temelin ist
nicht Tschernobyl", befindet der zuständige Industrieminister Miroslav
Gregr. "Die Wahrscheinlichkeit, von einem Meteoriten auf der Straße
getroffen zu werden, ist weit größer als die eines Störfalls in einem
Reaktor vom Temelin-Typ." Wiederholt aufgetretende Mängel in der laufenden
Testphase lassen da Zweifel aufkommen. Gestern erst mussten die Betreiber
erneut ein undichtes Ventil reparieren. Es sind die immer wieder durchsickernden
Informationen über derlei Unzulänglichkeiten, die die AKW-Gegner hellhörig
machen. Temelin liegt nur 60 Kilometer von Österreich oder Deutschland
entfernt.
Am Wochenende
kam es daher nicht mehr nur zu Blockaden an den österreichisch-tschechischen
Grenzübergängen; auch an Übergängen in Bayern und Sachsen wurde demonstriert.
Prag reagiert darauf genervt. Minister Gregr spricht von einer "manipulierten
öffentlichen Meinung". Premier Milos Zeman lehnt eine Dialogforderung
österreichischer AKW-Gegner brüsk ab. Er sehe "wirklich keinen Grund",
sich mit diesen Leuten zu unterhalten. Präsident Václav Havel, kein
begeisterter Temelin-Anhänger, äußert sich lediglich im Ton moderater:
Er würde "gern alles tun", um den Nachbarn die Angst vor Temelin zu
nehmen; unter Druck aber werde er niemals verhandeln, lässt er über
seinen Sprecher ausrichten.