9. Braunauer Zeitgeschichte-Tage "Getrennte Wege"
Deutsche, Juden, Österreicher, Tschechen


Dokumente der Trennung

"wer gewinnt, wird Herr sein, wird dem anderen das Amen singen und ihn dann begraben"
(1848)

Tschechische Lieder und Gedichte bekannter und unbekannter Autoren aus dem Revolutionsjahr 1848, die auf Flugblättern verbreitet und nach gängigen Weisen gesungen wurden. Die Texte sind einer Sammlung entnommen, die als Jubiläumsausgabe im Jahre 1948 von Miloslav Novotny in Prag zusammengestellt wurde.

Das Lied vom deutschen Parlament

Von Karl Havlicek

Hört nach deutschem Brauche
schreibt von Frankfurts Schmauche
Schuselka, o
kommt zu Hilfe
uns grimmt es im Bauche

Ei, ihr spielt vermessen,
habt auf’s Asz vergessen,
was in Frankfurt
ausgekocht ihr,
könnts euch selber fressen.

Deutschland - euer ist es;
Böhmen – unser wiszt es;
Blaszt in slavi-
sche Gerüchte
nicht die Haufen Mistes.

Wirst schon einst im Schrecken
uns die Hände lecken,
wenn der Löw die
Mähnen rüttelt,
spielt er nicht – Verstecken.

Ha, festina lente,
deutsches Parlamente,
willst wohl schlucken
herbe Pillen
als Medikamente

(Zeitgenössische deutsche Übersetzung)

Das Lied von den Schwaben

Die Schwaben jetzt, sind alte Weiber,
Quaken über uns wie Frösche.
Wo sich ein Schwabe niederläßt,
verpestet er gleich alles;
Geh´n wir hin und prügeln ihn,
Nach tschechischem Brauch.

Der Schwabe ist geizig und überaus dumm,
Glaubt, er kann uns im Sacke kaufen,
Er will, daß wir zu ihm gehen,
zum Frankfurter Parlament;
Geh`n wir hin und prügeln ihn,
Nach tschechischem Brauch.

Die schwäbische Seele der Teufel in die Kraxe
Nimmt, und dörrt sie in der Hölle,
Von dir, du alter Schwabe, werden ja
Doch nur Schlacken übriggeblieben;
Geh’n wir hin und pügeln ihn,
Nach tschechischem Brauch.

Die schwäbischen Herren, aus Böhmen entsandt,
sind lauter Tölpel
Schuselka ist ein Trottel,
zäh und steif wie ein Pilz;
Geh’n wir hin und prügeln ihn,
Nach tschechischem Brauch.

Die schwäbische Bande - welch ein Spaß! -
An der Spitze steht Kuranda,
da lachen schon die Juden,
wie er die Schwaben betrügt,
Gehn wir hin und prügeln ihn,
Nach tschechischem Brauch.

Der Schwabe drängt sich herein,
sammelt die Tschechen ein,
denn ohne die Tschechen stirbt der Schwabe,
ohne den Tschechen hat er die Fraisen;
in der Not reicht er [ihm] nur bis zum Knöchel.
Gehn wir hin und prügeln ihn,
Nach tschechischem Brauch.

(Ü: GH)

Abschied der Tschechen vom Deutschen Reich

Von Karel Havlicek

1. Scheiden, ach , scheiden,
welch schweres Ding das ist!
Ach, wie das Herz den Schmerz fühlt.
wenn sich das böhmische Land
vom deutschen lösen muß.

2. Als wir Abschied nahmen,
weinten wir beide:
Die Deutschen vor lauter bitterem Leid,
die Tschechen aus herzlicher Freude,
Tränen vergossen sie beide.

3. Stirbst Du oder ich,
nicht beide werden wir sterben,
wer gewinnt, wird Herr sein,
wird dem anderen das Amen singen
und ihn dann begraben.

(Ü: GH)

Prag

Von F. X. H.

Und stehen wird unser Prag,
solange die Moldau fließt,
solange die Welt nicht in Stücke bricht,
wird Prag nicht untergehen.
Sieh, die stolz ins himmlische
Morgenrot blickenden Türme,
sieh die Burgen, fest wie Fels,
Zeugen des tschechischen Ruhms!

Tschechen haben Prag gegründet,
Tschechen gehört es auch,
Brüder, lassen wir uns also nicht
unsere Mutter entreißen!
Sollten auch tausend Deutsch
sie die ihre nennen,
wer hier Herr ist, beweisen wir ihnen
im Kampf, mit unseren Fäusten.

Söhne tschechischen Blutes,
daß wir Recken sind, sollen die Schwaben,
gleich beim ersten Mal erfahren.
Wie Zizka die hoffärtigen Mörder
aus unserem Vaterland vertrieben hat,
so werden auch wir dies Raubgesindel
niederschlagen in die Tiefen der Erde

(Ü: GH)

Der Patriot

Von F. X. H.

1. Bier trinken und Tabak rauchen,
großmäulig die Menschen aufwiegeln,
die Sitten verderben und die Tugend,
solche Schreihälse gibt es genug.
Aber beschieden unter den Leuten leben
und in Zeiten der Not aufstehen,
ob nun Slawe oder Deutscher,
der ist der rechte Patriot.

2. Wer immer an seine Tasche klopft,
die Armut scharf kritisiert
und dem Bettler nichts gibt,
solche Dummköpfe gibt es zu Hunderten.
Wer aber das Geld verwaltet
und wenn die Nation es fordert,
alles für die heilige Sache gibt,
der ist der rechte Patriot.

3. Wer an der Seite einen Säbel trägt,
daß das ganze Land erbebt,
bei der Tuppenschau Courage zeigt,
der ist kein Held.
Wer aber schlicht in Reih` und Glied steht,
kommt es jedoch zum Kampf,
seinen Siegeslorbeer selbst erkämpft,
der ist der rechte Patriot.

4. Wer immer hinterm Ofen liegt,
oder in die Kneipen eilt,
sich um das Vaterland nicht sorgt,
der soll Prügel beziehen.
Wer aber emsig wie die Bienen
wacht über seinem Vaterland,
auf jede Sache sorgsam achtet,
der ist der rechte Patriot.

5. Wer des Tschechischen sich schämt,
die tschechische Sprache haßt,
immer nur deutsch holpert,
den soll man aus dem Vaterland vertreiben.
Wer aber auch fern der Heimat
die tschechische Sprache überall lobt,
Liebhaber des Tschechischen ist,
der ist der rechte Patriot.

6. Wer sich nach dem Modejournal kleidet,
jeden Tag in einer anderen Tracht kommt,
hundert Locken auf dem Kopfe hat,
der soll sich bei den Narren einschreiben lassen.
Wer sich aber bar aller eitlen Pracht
kleidet nach alttschechischer Art,
an der Mütze eine Quaste trägt,
der ist der rechte Patriot.

(Ü: GH)

Der Krieg

Krieg wird es geben, Krieg,
wer wird da wohl hingeh’n?
Tschechen, Schlesier,
Polen, Slowaken,
die wird es wohl treffen.

Gäbe mir unser Volk
Pferd und auch Pallasch,
wollt‘ ich in den Kampf reiten,
an der Seite von Milboj,
das ist meine Hoffnung.

Was, meine Geliebte,
was würdest du dort machen?
Die Deutschen würde ich bestrafen,
des Vaterlandes Fremdlinge,
das würde ich dort machen.
(Oder: Vertreiben würde ich sie.)

Warum würdest du sie vertreiben?
Warum würdest du sei bestrafen?
Damit das Unrecht aufhört,
sie uns das Recht nicht nehmen,
uns die Sprache nicht ausrotten.

Was meine Geliebte,
was würdest du dann machen?
Des Vaterlandes würde ich mich annehmen,
würde darin die Einigkeit predigen,
damit es frei wäre.

Wem, meine Geliebte,
wem würdest du die Einigkeit predigen?
Sämtlichen Städtern,
den tapferen Bürgern,
würde ich das Slawentum predigen.

(Ü: GH)

Lied der Freiheit

Von Josef Jiri Kolar

Krieg! Krieg! – Weht die Fahne?
Auf, Tschechen, Gott steht uns bei,
steht fest zu eurem Recht,
schützt das Vaterland und der Tschechen Ruhm! –
Solch ein Getöse ist im Vaterland,
der Taboriten Ton und Gesang.

Das Volk ist der Herr, das Volk ist der König,
in unbeschränktem Recht steht es
über seinem Wohl, über seinem Niedergang,
zum Geschenk bekam es von den Fremden nicht
tschechischen Ruhm noch tschechische Ehre, -
nur der Tscheche ist Herr in Böhmen.

Ja, in Böhmen sind unsere Paradiese,
unsere Gesänge, unsere Sagen,
unsere Maiden unsere Rosen,
unsere Gräber, unsere Lager,
in Böhmen ist Gott und Teufel Herr,
als der unsere soll er willkommen sein.

Wer Tscheche ist, greif‘ nach dem Schwert,
es erwarten uns grimmige Gemetzel,
es erwarten uns Zeiten des Zornes,
die Schrecken hussitischer Erscheinungen,
erhebe dich, bewaffne dich, tschechischer Löwe!
Gott ruft uns zum heiligen Krieg! –

Ah, siehe, seht, - dank dem Vaterland,
unerschrockene Kämpfer,
die Fahne weht, die Trompeten schmettern,
Tausende Lippen singen:
Den Feinden zum Trotz,
Einigkeit! Einigkeit! Das Tschechische Korps! –

Einigkeit, so laute unsere Parole,
Einigkeit sei unser Ruder
in diesem Sturm, in diesem Kampf,
in schwerem Chaos in beiderlei Gestalt, -
Den Feinden zum Trotz,
Einigkeit! Einigkeit! Das Tschechische Korps! –

Wer Tscheche ist, mit Herz im Geist,
oder nur mit Mund und Ohren,
für wen Hus und Zizka mehr gelten,
als alle Heiligen, -
den schützen – der Hölle zum Trotz,
Einigkeit, Einigkeit, das Tschechische Korps.

Brüder! Bekennen wir uns endlich zum Vaterland,
unterwerfen wir uns nicht dem Fremden,
trotzen wir den Verderbern,
bei der Einigkeit in einem Korps,
ein Leib, eine Faust,
das ist unsere Aufgabe, unsere Ehr‘.

Nur in brüderlichem Miteinander
wird uns Segen blühen,
nur durch Einigkeit, in Umstürzen
werden wir unsere Henker erschlagen,
ob Heide oder Russ‘,
uns hat gesegnet Meister Hus.

Einigkeit! Einigkeit! die Fahne weht!
Auf, Tschechen, Gott steht uns bei,
steht fest zu eurem Recht,
schützt das Vaterland und der Tschechen Ruhm! –
Den Feinden zum Trotz,
Einigkeit! Einigkeit! Das Tschechische Korps! –

(Ü: GH)

Neues Lied auf die Freischaren

Von Jan Hron

He, Burschen, auf [gegen] die Freischaren
He, auf [gegen] diese Niederträchtigen,
Die ausrotten, vernichten, unterdrücken wollen
Unser schönes heiliges Land.

Wo bist Du Zizka, auf gegen die Deutschen,
Wo bist Du Jan mit dem Kelch,
Segnet Eure Kinder,
Die Schwaben jagen wir zum Teufel.

Sei gegrüßt Taus,
Aussig, kehre bei uns ein
Nach alttschechischer Sitte
Prügeln wir euch die Schwaben hinaus.

Kennt Ihr vielleicht Deutschbrod,
Ihr müßt es kennen,
Aufgepaßt, daß Ihr Euch im schwäbischem Blut
nicht wieder einmal besudelt.

Nur, Schwaben, fliehet nicht,
Wenn wir zu singen beginnen;
Wartet noch das Weilchen,
Bis wir Euch zu dreschen beginnen.

He Burschen, schöne Zeiten
leuchten uns dann,
wenn die schwäbischen Seelen in Fetzen zerrissen
hin und her fliegen werden.

Allen Schwaben den Kopf ab,
Allen Verderbern des Volkes
Düngen wir das Feld im Blut,
Schöne wird die Ernte sein.

He, Burschen, in die Reihen, stellt Euch,
Ihr werdet sie tapfer verjagen,
Wir geben den Schwaben die letzte Ölung,
Das werden sie nie vergessen

(Ü: RJHIYS)