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Statement
von Frau Landtagspräsidentin Angela Orthner für die Braunauer Zeitgeschichtstage
2000
Karl Schwarzenberg,
der ehemalige Kanzler des tschechischen Präsidenten Vaclav Havel, hat
einmal Europa mit einem Dorf verglichen, in dem ein Teil 50 Jahre lang
durch eine Mauer abgetrennt war. Diesseits und jenseits ging man getrennte
Wege. Die Mauer und der Stacheldrahtzaun wurden 1989 niedergerissen.
Gute Nachbarschaft und freundschaftliche Beziehungen sollten sie ersetzen.
Gemeinsam wollten wir, um im Bild zu bleiben, ab nun für die Infrastruktur
unseres Dorfes sorgen und die Voraussetzung dafür schaffen, dass die
Bewohner bei aller Verschiedenheit in Sicherheit, Freiheit und Wohlstand
leben können. Österreich, Deutschland und Tschechien sind Nachbarn im
Zentrum Europas. In der Geschichte verbindet uns ein gemeinsames Schicksal.
Doch ist dies heute nicht längst verblasst zu einer literarisch-intellektuellen
Erinnerung, in der die negativen Ereignisse verdrängt werden? Haben
wir heute noch gemeinsame Interessen? Die Auseinandersetzungen um die
Benesch-Dekrete oder das AKW Temelin stehen aktuell im Vordergrund.
So wichtig diese Fragen gerade für Österreich sind, darf doch der Blick
auf das "ganze Dorf Europa" nicht ganz vergessen werden. Seit 1989 haben
wir die Chance, unser Europa wieder als einen kulturellen Kontinent
zu begreifen und seine Vielfalt zu nutzen. Österreich, Deutschland und
Tschechien können den Kern eines neuen Mitteleuropa bilden, in dem man
miteinander reden kann und füreinander Verständnis findet. Im Bewusstsein
unserer gemeinsamen Geschichte könnten wir Vorbild sein, wie Zusammenleben
in Europa gelingen kann.
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