Chronologie des Hitlergruß-Skandals

Chronologie des Hitlergruß-Skandals - Die Affäre um die Fanclub-Fotos wurde schon vor Monaten aufgedeckt

Etwa um halb acht Uhr abends wurde am Montag, 9. Jänner 2006, die Homepage des Fanclubs des Fußballklubs FC Braunau (www.braunauerbulldogs.com) vom Netz genommen. Die Veröffentlichung zweier Fotos, die junge Mitglieder des Fanclubs mit ausgestrecktem rechten Arm vor der KZ-Gedenkstätte Mauthausen und in einer Pizzeria zeigen, sorgte für Schlagzeilen und Aufregung.

„Entgleisung hirnloser Jugendlicher“

Der Braunauer Bürgermeister Gerhard Skiba (SPÖ) war am Montag, nachdem der Skandal publik wurde, „schockiert“ und bezeichnete die Aktion als „abscheulich“. Gegenüber den „Oberösterreichischen Nachrichten“ meinte er: „Wir haben es mit unserem Ruf als Geburtsstadt von Adolf Hitler sowieso nicht leicht. Und jetzt kommt noch eine Entgleisung von so hirnlosen Jugendlichen dazu“. Der Präsident des FC Braunau, Gerhard Holzinger, meinte in Richtung der Fans, sie hätten ihm einen „Bärendienst erwiesen“.

Ins Rollen kam die Affäre, nachdem die KPÖ (Kommunistische Partei Österreichs) am Samstag zuvor in einer Presse-Aussendung über die Fotos berichtete. Gemeinsam mit dem linken Kulturverein „Infoladen“ aus Wels forderten die Kommunisten die Stadt Braunau, den Verfassungs-Schutz und den FC Braunau zu Konsequenzen gegen die „Braunauer Bulldogs“ auf.

E-Mail mit brisantem Inhalt

CHiLLi-Recherchen haben ergeben, dass der Skandal schon vor Monaten aufgedeckt und sogar schon darüber berichtet wurde. Am 24. September letzten Jahres landete die E-Mail eines aufmerksamen Internet-Users in der Mailbox des Fußball-Magazins „Ballesterer“. Der brisante Inhalt: Ein Link zu den besagten Skandal-Bildern.

Nach Angaben des „Ballesterer“ und aufgrund der verwendeten Anrede ging die E-Mail damals offensichtlich nicht nur an die Redaktion, sondern gleichzeitig auch an die Anti-Rassismus-Stelle „ZARA“, das Dokumentations-Archiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) sowie an die Organisation „Fair Play – Football against Racism“. Ob diese Stellen die Fotos daraufhin sichteten und ob möglicherweise schon damals Behörden informiert wurden, war zu Redaktions-Schluss unklar.

Die „Ballesterer“-Macher entschlossen sich zur Veröffentlichung. So erschien das Foto, auf dem einige junge „Bulldogs“-Mitglieder vor dem ehemaligen KZ-Mauthausen posieren und den rechten Arm zum Hitlergruß heben, mit einem kurzen Begleittext in der Rubrik „Kurznachrichten“ der Dezember-Ausgabe. Einige Leserinnen und Leser des Magazins reagierten daraufhin mit erbosten Beschwerde-Postings im Gästebuch der „Braunauer Bulldogs“-Homepage.

Bilder vor dem Löschen dokumentiert

Die Bilder waren zu diesem Zeitpunkt immer noch auf der Seite veröffentlicht. Als sich die Postings zu den Fotos im Dezember mehrten, meldete sich am 21. Dezember schließlich der Obmann-Stellvertreter mit einer „offiziellen Entschuldigung im Namen des Fanclubs“ im Gästebuch zu Wort. Die Bilder würden so schnell wie möglich entfernt werden, damit „weihnachtliche Ruhe“ im Gästebuch einkehre.

Doch diese Ruhe sollte nur von kurzer Dauer sein. Inzwischen hatte der linke Kulturverein „Infoladen“ Wind von der Sache bekommen und die Bilder dokumentiert, bevor sie die Homepage-Betreiber löschten. Gemeinsam mit der KPÖ-Oberösterreich wurde schließlich jener Pressetext formuliert, der die breite Öffentlichkeit nun auf das Treiben einiger „Bulldogs“ aufmerksam machte.

Ab Montagmorgen gab es einen regelrechten Ansturm auf die Homepage des Fanclubs. Ein Leserbrief nach dem anderen wurde zur Causa ins Gästebuch gepostet. Von insgesamt knapp fünftausend um acht Uhr morgens kletterte die Zahl der Zugriffe laut angegebener Seiten-Statistik bis 19:00 Uhr auf über 35.000, kurz darauf ging die Seite offline. Das Landesamt für Verfassungs-Schutz und Terrorismus-Bekämpfung bereite eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz vor, teilte die Sicherheits-Direktion Oberösterreich am Montag mit.

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