HRB News 46/00 deutsche Ausgabe
Nr. 5 - 15. November 2000
Redaktion: news@hrb.at
english edition
Florian Novak, November 2000
Auf dem Schleich-Weg in die Freiheit

120.000 Juden verhalf der Österreicher Josef Schleich zur Flucht - Zeitzeuge und "Geretteter" Robert Weiss über seine dramatischen Tage seiner Flucht

Über ein geheimes Fluchthilfenetzwerk hatte der Österreicher Josef Schleich während des zweiten Weltkrieges 120.000 Juden in das rettende Ausland und somit in die Freiheit geschleust. Eine bestechliche Gestapo und korrumpierbare Zollwachesoldaten sowie Visa, die in der ganzen Welt organisiert wurden, ermöglichten tausenden Juden, der systematischen Vernichtungsmaschinerie zu entkommen. Seine dramatischen Tage der Rettung schilderte ein Zeitzeuge, der Jude Robert Weiss, einer der Geretteten, im Rahmen des Auslandsdienst-Seminars in Graz.

Aus Angst vor einer Deportation nach Polen, wandten sich im Winter 1941 seine Mutter, seine Tante, sein Cousin und er an Josef Schleich in Wien, von dem sie wussten, dass er kurz zuvor bereits unter anderem 300 jüdischen Waisenkinder den Weg in die Freiheit ermöglicht hatte. Schleich, der in Wien ein Reisebüro betrieb, konnte ihnen helfen: Nur mit den erlaubten zehn Mark ohne warme Kleidung mit schlechten Schuhen ging es zuerst von Wien zur Zwischenstation nach Graz, erzählte Weiss - er war damals gerade 13 - von der hektisch vorbereiteten Abreise. Die eisige Kälte bewahrte sie vor unangenehmen Kontrolleuren, da sie mit ihrer Zivilkleidung und unterwegs ohne Bewilligung leicht entdeckt worden wären. In der Grazer Wohnung von Schleich warteten bereits andere Juden, um gemeinsam den "Schleich-Weg" in die Freiheit anzutreten.

An der Grenze Spielberg empfing sie die Warnung eines geschmierten Gestapo-Offiziers: "Ihr könnt raus, aber kommt niemals zurück". Schleichs Netzwerk war hochprofessionell organisiert: Nach Unterbringung und Verpflegung in einem Bauernhof führten sie professionelle Schmuggler bei einer Nachtwanderung durch den Schnee vorbei an den jugoslawischen Grenzpolizisten, versteckt unter Planen eines LKWs folgt dann die Fahrt nach Zagreb, "erst dann waren wir tatsächlich frei", blickt Weiss, der sich auch 60 Jahre danach an viele Details der erlebnisreichen Flucht erinnern kann, auf die erlösenden Momente zurück.

Publik gemacht hat die Story von Josef Schleich, dem österreichischen Schindler, seine Tochter Hannelore Fröhlich. Im kürzlich erschienen Buch "Spurensuche" (erschienen in der Steirischen Verlagsgesellschaft) schildert sie berührend seine Geschichte, die sie erst Jahrzehnte später selbst rausgefunden hatte.

Florian Novak (novak@jupiter.at)

Hinweis:
http://www.buchservice.at/ (keine Verandkosten)
Fröhlich, Hannelore
Spurensuche
ISBN 3-85489-023-0
PREIS: öS. 291.00
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