Einmal nicht am Biertisch: Braunau, Hitler und sein Erbe

Bei den ersten Braunauer Zeitgeschichtstagen am kommenden Wochenende wird ein Thema öffentlich diskutiert, das sonst eher an den Biertischen seinen Platz hat: Hitler, Braunau und das "Unerwünschte Erbe".

BRAUNAU. Die Bemühungen, dieses Tabuthema auf wissenschaftlicher Basis anzurühren, reichen in das Jahr 1989 zurück. Dr. Andreas Maislinger (37) aus St. Georgen bei Oberndorf, Assistent am Institut für Politikwissenschaft der Uni Innsbruck, und Erich Marschall, früherer Redaktionsleiter der Braunauer Rundschau, gebaren die Idee. Und sie reifte, sprang nach und nach auch auf führende Köpfe in der Stadt über. Womit nicht geschrieben sei, alle Braunauer würden die Zeitgeschichtstage und die Aufarbeitung dieses Themas begrüßen. Auch politisch ist das Vorhaben nicht, gänzlich unumstritten. Die Wirtschaft, als Spobsor vorgesehen, zeigte – mit einigen Ausnahmen (Braunauer Banken, Tourismusverband) wenig Bereitschaft, diese zeitgeschichtliche Veranstaltung mitzufinanzieren. „Dementsprechend mager fiel auch der Ertrag dieser Geldquelle aus“, klagen die Organisatoren vom Werbebüro Marschall, loben gleichzeitig aber die aufwendigen ehrenamtlichen Vorbereitungsarbeiten.

Dr. Maislinger als wissenschaftlicher Leiter will der Geschichtsforschung neue Impulse geben, auf keinen Fall aber „Vergangenheitsbewältigung“ betreiben: „Braunau soll in einigen Jahren nicht nur mit Hitler, sondern mit neuen Anregungen im Bereich der Zeitgeschichtsforschung in Verbindung gebracht werden.“ Die Veranstaltung, und darüber sind sich die Organisatoren einig, wird eine Fortsetzung finden.

Für heuer konnten folgende Teilnehmer zum Thema „Unerwünschtes Erbe“ gewonnen werden: Christian Schramm (Oberbürgermeister von Bautzen, ehemals DDR), Dr. Michael Cullin (Wien), Andreas Gruber (Wels), Prof. Dr. Peter Krahulec (Fulda), Dr. Gert Kerschbaumer (Salzburg), Erich Neumüller und Dir. Kurt Lettner (Vizebürgermeister von Mauthausen), Prof. Dr. Waclaw Dlugoborski (Katowice/Polen), Otto Rothe (Bürgermeister Wunsiedel), Martin Pichler (Bürgermeister Kaprun), Dr. Florian Zehethofer (Linz), Mag. Petra Schlichtinger (Alkoven), Prof. Dr. Stanislaw Meducki (Kielce) und aus Braunau Bürgermeister Gerhard Skiba, Kulturstadtrat Wolfgang Simböck, Andrea Gruber und Dr. Herbert Hutterer.

Braunauer Rundschau

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