Elfriede Grünberg Preis 2011

Andreas Maislinger wurde 1955 in St. Georgen, direkt an der Grenze von Salzburg, Oberösterreich und Bayern, geboren. „Zwischen Mozart und Hitler“, wie er es selbst einmal formulierte. Sein Vater war Sägewerksarbeiter, seine Mutter führte mit ihrer Schwester den „Auwirt“. Früh erfuhr er in der Familie vom Schicksal Franz Jägerstätters aus dem benachbarten St. Radegund und von der mörderischen Brutalität im NS-Lager Weyer-St. Pantaleon.

Maislinger studierte Politikwissenschaft in Salzburg, Frankfurt am Main und Berlin. Schon damals fand er seine Aufgabe: Gegen Österreichs Lebenslüge, Opfer des Nationalsozialismus zu sein, wirksamen Widerspruch zu erheben.

Den Ansatz bot ihm die deutsche Aktion „Sühnezeichen Friedensdienste“. Einige Tage nach seiner Promotion bei Anton Pelinka besuchte Maislinger im Juli 1980 Bundespräsident Rudolf Kirchschläger. Er hoffte auf Unterstützung für einen „Zivildienst in Auschwitz“. Die Antwort des allseits geschätzten Bundespräsidenten war jedoch zeittypisch und eindeutig: In Auschwitz habe ein Österreicher nichts zu sühnen.

Nach langer Überzeugungsarbeit gründete Andreas Maislinger 1992 sowohl den Gedenkdienst als auch die Braunauer Zeitgeschichte-Tage.

Aus den bescheidenen Anfängen des Gedenkdienstes im Museum Auschwitz-Birkenau, in Israels Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel und der Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam ist ein weltweites Netzwerk in über 30 Staaten geworden. Wie sehr Maislingers Gedenkdienst-Idee inzwischen greift, zeigen auch Einladungen aus Ländern, die man keineswegs mit der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus verbindet. Zuletzt kamen Bitten um einen Gedenkdiener aus Mexiko und Südafrika. Nach Brasilien und China entsendet Maislinger schon seit Jahren Gedenkdiener. 2012 wird ein junger Österreicher mit türkischem Migrationshintergrund Gedenkdienst in Istanbul leisten.

Auch die Braunauer Zeitgeschichte-Tage begannen 1992 bescheiden, und zwar in der Musikschule Braunau. Bereits damals hatte Maislinger bei der Tagung „Unerwünschtes Erbe“ die Idee, Vertreter aus den Geburtsorten von Hitler, Mussolini und Stalin zusammenzubringen. Was vor 19 Jahren noch nicht möglich war, gelang heuer. Bürgermeister Giorgio Frassineti sieht in den Braunauer Zeitgeschichte-Tagen ein Vorbild für Predappio, dem Geburtsort Mussolinis. Er will mit Hilfe von Andreas Maislinger ähnliche Tagungen organisieren. Das ist nur ein Beleg von vielen für die internationale Anerkennung, die die Zeitgeschichte-Tage finden.

Auf Einladung des damaligen Braunauer Bürgermeisters und Elfriede-Grünberg-Preisträgers Gerhard Skiba erstellte Maislinger im Jahr 2000 ein Konzept für die Verwendung des Geburtshauses von Adolf Hitler. Das „Haus der Verantwortung“ soll ein weltweites Zentrum für Erinnerungskultur, für das Engagement junger Menschen und für einen optimistischen Blick auf die Zukunft werden. Der Produzent des Films „Schindlers Liste“ und zweifache Oscar-Preisträger Branko Lustig kam kürzlich nach Braunau, um Maislinger bei der Erreichung dieses Zieles zu unterstützen.

Andreas Maislinger hat schon mehrere Persönlichkeiten für die Verleihung des Elfriede-Grünberg-Preises vorgeschlagen – darunter den 106-jährigen Zeugen Jehovas und KZ-Überlebenden Leopold Engleitner sowie den Gedenkdiener Thomas Böhler aus Ebensee. Es ist längst an der Zeit, dass Maislinger den Preis auch selbst erhält – wäre doch schon die Gründung einer außergewöhnlichen antifaschistischen Institution Grund genug dafür. Er hat deren zwei gegründet und wird zumindest noch eine dritte schaffen.

Antifa Forum - Welser Initiative gegen Faschismus

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