„Hitlerhaus nicht dämonisieren“

Die Zukunft des leer stehenden Gebäudes in Braunau sorgt für heftige Kontroversen. Die Besitzerin hält sich bis dato heraus.

Ganz Österreich spricht dieser Tage über ein leer stehendes Gebäude in der „Salzburger Vorstadt“ Nummer 15 in Braunau. Wie berichtet, könnte Adolf Hitlers Geburtshaus bald ein Wohnhaus werden. Angeblich bezahlt das Innenministerium pro Monat 4700 Euro Miete, nur um zu verhindern, dass daraus eine Pilgerstätte für Ewiggestrige wird. Diese Wendung brachte den Stadtchef Hannes Waidbacher in Bedrängnis.

Sein Statement vom Mittwoch, er sei gegen eine Gedenkstätte in Hitlers ehemaliger Kinderstube, relativiert er einen Tag später: „Natürlich bin ich mir der Verantwortung bewusst, aber letztendlich kann die Stadt nicht mitbestimmen, was mit dem Haus passiert.“ Er hoffe auf eine Initiative des Innenministeriums: „Wenn sie das Gebäude kaufen, wäre der Konflikt ein für alle Mal aus der Weltgeschafft.“

„Keine Nazi-Hochburg“

Beim KURIER-Lokalaugenschein wird deutlich: Die Braunauer sprechen nicht gerne über die berüchtigte Geburtsstätte. Den wenigsten sei außerdem bekannt, was die Initialen MB bedeuten, die über der Eingangstür des gelben Gebäudes prangen, sagt Historiker und Direktor des Braunauer Gymnasiums, Florian Kotanko. Martin Bohrmann, Leiter der NSDAP-Parteikanzlei, habe sich damit verewigt. Er hat das Haus 1938 von der Braunauer Familie P. gekauft. Mit Kriegsende wurde es ihnen im Rahmen der Restitution zurückgegeben.

„Ja, in diesem Haus ist ein Kind geboren worden – und das war`s“, sagt Kotanko. Die Symbolik sei unbestreitbar, doch die Diskussion werde zu emotional geführt, betont er. „Die Familie P. profitiert von den Zuschreibungen, die man diesen alten Gemäuern gibt.“ Daher schlägt er vor, sie einer „normalen Nutzung“ zuzuführen, denn: „Man darf ein Haus nicht dämonisieren.“

Die Idee, dort Wohnungen einzurichten, ist für Kotanko nicht von der Hand zu weisen. „Wenn man den Zündstoff herausnimmt, würde man feststellen, dass Braunau keine Nazi-Hochburg ist und auch nie eine war.“

Besitz klären

Die Wohnbau-Idee ist für den Braunauer SP-Stadtrat Harry Buchmayr undenkbar: „Wer würde da drin wohl wohnen wollen?“ Lieber sei ihm ein geschichtliches Museum. Er habe – anders als VP-Bürgermeister Waidbacher – keine Scheu vor den Folgekosten für die Stadt. „Erst müssen die Besitzverhältnisse geklärt werden. Vorher hat die Debatte keine Substanz“, meint er. Die Frau, die den Spekulationen ein Ende setzen könnte, bleibt im Dunkeln. „Sie denkt nicht daran, das Haus zu verkaufen“, sagt ein enger Vertrauter der Eigentümerin Gerlinde P.

Raffaela Lindorfer
Kurier
http://kurier.at/chronik/oberoesterreich/hitlerhaus-nicht-daemonisieren/812.202

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.