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Rundgänge
mit dem Holocaust Survivor Bernard Offen
Rundgang durch das ehemalige NS Juden Ghetto, durch das ehemalige Konzentrationslager
Plaszów und durch das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Alltag im Krakauer Ghetto
"Oft bin ich über diese Mauer gesprungen, zur Schokoladefabrik
rüber. Manchmal bekam ich dann etwas, manchmal auch nichts. Nicht
selten lag so ein süßlicher Geschmack von Schokolade hier in
der Luft."
Wir
stehen mit Bernard Offen, einem Überlebenden des Holocaust in einem
kleinen, etwas schmutzigen Hinterhof, der gerade renoviert wird. Wie vieles
hier im ehemaligen Krakauer Judenghetto. Aufgrund sehr reger Renovierungsarbeiten
glaubt man schon jetzt nicht mehr, dass noch vor wenigen Jahren alle Häuser
so baufällig und heruntergekommen aussahen wie manche Teile des Hinterhofs,
in dem wir jetzt stehen. Blanke Ziegelsteine an der Außenwand, halb
eingestürzte Dächer, zerschlagene Fensterscheiben. Hier sind
die Fenster ganz neu, gerade erst eingesetzt.
Genau in diesem Hinterhof erzählt Bern ard
Offen seine Geschichte, seine Erlebnisse während der Zeit des Ghettos,
von dem auch er ein Teil war. In diesem Hinterhof wohnte er, versteckte
sich oft vor den Nazis, da er noch zu jung war um zu arbeiten. Auf engstem
Raum wohnte er hier mit Vater, Mutter, Schwester und seinen beiden Brüdern.
So eng, dass er am Sonntag mit den anderen Geschwistern in der Sonntagskleidung
auf die Straße zum Spielen geschickt wurde, ohne sich dreckig machen
zu dürfen. Eine für ihn damals noch unverständliche Anweisung.
Heute weiß er, dass seine Eltern wenigstens einmal pro Woche für
ein paar Stunden allein in der Wohnung sein wollten.
Bernard führt uns durch das ehemalige Ghetto, zeigt uns seine alltäglichen
Orte, seinen Alltag mit seinen alltäglichen Geschichten, die auch
während des Krakauer Ghettos weiter gingen. Zum Beispiel seine polnische
Schule, die er erst kürzlich wieder besuchte, um in Aufsätzen
von ihm nachzulesen, dass er ein nicht gerade guter Schüler war,
wie er schmunzelnd zugibt.
Die Schule steht am Ende einer aufsteigenden Straße. Auf der rechten
Straßenseite eine hohe, graue Mauer mit Stacheldraht, und einem
Mann mit einem Maschinengewehr. "Das hier war schon vor der Zeit
des Ghettos ein Gefängnis, auch während des Bestehens des Ghettos
und jetzt ist es immer noch ein Gefängnis. Manche Dinge bleiben eben
für immer bestehen".
Auf die Frage wie er sich fühle, wenn er hier einen Mann mit einem
Maschinengewehr auf und ab gehen sieht, antwortet er bestimmt und nüchtern:
"Das hier ist das ehemalige Ghetto, das Ghetto gibt es nicht mehr,
das Gefängnis ist normal so."
Kein Hass, keine verborgenen Aggressionen kommen zum Ausdruck, wie
beim ganzen Rundgang auch nicht. Bernard erzählt mit einer Gelassenheit,
die nur möglich ist, wenn man sich mit der Vergangenheit ausgesöhnt
hat, nicht mehr gegen Geschehenes ankämpft, um es ungeschehen zu
machen. Oder die Episode mit dem Huhn, das er zum Metzger brachte, der
das Messer zwischen den Zähnen hielt, und dann das Huhn vor seinen
Augen umbrachte. "Ich will nicht nur vom Blut sprechen, das die
Nazis vergossen haben, ich will euch erzählen, dass es auch im Ghetto
eine Normalität gegeben hat" Bernard schildert eine Normalität,
ohne dabei das Ghetto zu verharmlosen. Ein Ghetto, bei dessen Liquidation
Tausende von Juden niedergeschossen wurden, willkürlich, ohne Grund.
An den Tag der Liquidation erinnert sich Bernard genau. "Meine
Mutter schickte mich sehr sehr früh aus dem Ghetto hinaus,
damit ich Gemüse in das Ghetto schmuggeln konnte. Sie schickte mich
viel früher weg als sonst, wasmir sehr seltsam vorkam. Erst viel
später kam ich darauf, warum sie das tat. Meine Mutter und meine
Schwester arbeiteten bei Madritsch in der Uniformfabrik im Ghetto. Am
Tag vor der Liquidation teilte Madritsch allen seinen Arbeitern mit, dass
sie am nächsten Tag nicht zur Arbeit erscheinen müssen. Meine
Mutter hatte einen Verdacht.
Als ich zu Mittag zurückkam, war das Ghetto von SS-Soldaten umstellt,
und es war mir unmöglich hinein zu kommen, so wartete ich auf dem
Hügel beim Ghetto, bis alles wieder ruhig war und die SS Leute verschwunden
waren, so gegen 5 Uhr am Nachmittag. Ich hörte wie geschossen wurde,
hörte die Schreie."
Wir sitzen unter einem Baum, sehen über einen Rest der erhaltenen
Ghettomauer, einer Mauer, die aussieht wie die alten Grabsteine der Juden,
auf dem Hügel, auf dem sich Bernard versteckt hielt.
Plaszów
- Irgendwie gespenstisch, das Bellen des Hundes...
Bernard
lässt uns den Haupteingang des Konzentrationslagers Plaszów
suchen, in das er mit seinem Vater interniert wurde. Wir gehen eine Betonstraße
entlang, plötzlich ruft uns Bernard, der ein Stück hinter uns
gegangen ist zurück. "He, kommt zurück, ihr seit schon
viel zu weit gegangen." Wir gehen zurück. Bernard deutet
auf die Straße "Hier war der Haupteingang des Ghettos".
Nichts lässt heute darauf schließen, keine Tafel, kein Schild.
"Und hier sind noch Baracken aus dem Lager". Ich schaue
zweimal auf die halbverfallenen kleinen Betonhäuser ohne Dach
und erschaudere. Diese Dinger stehen immer noch da, unberührt - und
verfallen.
Überhaupt habe ich den Eindruck, dass sich hier niemand an die Geschichte
erinnern will. Ein Vorortviertel von Krakau, etwas heruntergekommen, hie
und da aber doch ein moderner Wohnblock, aber weit und breit kein Zeichen,
das auf das ehemalige Konzentrationslager hindeuten würde.
Wir gehen weiter, etwas den Hügel hinauf. Bis wir zu einem grauen,
alten Haus kommen.
"Das ist die Villa von Amon Goeth. Dem, der die inhaftierten Juden
wahllos mit seinem Gewehr von seinem Balkon aus, der sich auf der anderen
Seite des Hauses befindet, niederschoss. Von der Villa aus konnte er einen
Teil des Lagers sehr gut überblicken, bis auf die andere Seite des
Hügels hinauf. Natürlich muss man sich all diese Bäume
wegdenken, die damals nicht hier standen." Auch hier weist kein
Schild drauf hin, welche Verbrechen von diesem Balkon aus begangen wurden
und wie diese Person hieß, die sie ausführte.
Richard Schlager kommt auf die scheinbar wahnwitzige Idee, mit den Leuten,
die jetzt in diesem Haus wohnen, einen Kaffee zu trinken, um sie zu fragen,
ob sie wissen, in was für einem Haus sie leben. Die Aktion scheitert
dann aber an einem laut bellenden Hund, der das Haus sehr gut bewacht.
Irgendwie gespenstisch, das Bellen des Hundes, der ein Haus verteidigt,
das einem Nazi-Massenmörder gehörte. Obwohl die vermutlich arme
polnische Familie nichts dafür kann, hier, in einem der billigsten
und schlechtesten Häuser der Gegend wohnen zu müssen.
Wir betreten eine Wildnis. Eine richtige Wildnis, die ich spontan hübsch
finde. Eine Perversion der Natur sozusagen. Wild wachsen hier Bäume,
Sträucher und das Gras ist eine einzige Steppe. Eine schöne
Wildnis an einem Ort, an dem die Juden zu Tausenden umgebracht wurden
oder durch elendste und unmenschlichste Verhältnisse an Hunger und
Krankheit gestorben sind. "Die Natur holt sich alles zurück",
bemerkt A ndreas
Maislinger. Das Konzentrationslager ist als solches nicht mehr zu erkennen.
Wären da nicht an drei verschieden Stellen Zeichen gesetzt, die daran
erinnern, eindringlich. Ein Stein, mit einer christlichen Aufschrift,
zum Gedenken an erschossene Christen, ein großes Kreuz mit einer
Dornenkrone aus Stahl, auf einem der zwei Massengräber, die man lokalisieren
kann. Einem Massengrab, in dem zu 95 Prozent Juden liegen, trotzdem ein
christliches Symbol. Ich nehme es Bernard nicht übel, dass er den
Gedanken hatte, das Kreuz niederzubrennen.
Am zweiten Massengrab steht ein monumentales kommunistisches Denkmal,
das weit in den Himmel hinaufreicht, ein Protzbau zum Gedenken der vielen
"Polen", die hier umgekommen sind. Systematisch vermieden es
die Kommunisten nach 1945 die Juden zu erwähnen, sprachen statt dessen
von den Millionen umgekommener polnischer Landsleuten. Darum steht seit
einigen Jahren ein zweiter, viel kleinerer Stein am Rand des Massengrabes,
der an die vielen ermordeten Juden erinnert, und der auch sehr klar die
Täter benennt: die Nazis.
Seit einem Jahr steht in einiger Entfernung auch noch ein anderer kleiner
Stein, der an die ermordeten Ungarn in diesem Konzentrationslager erinnert.
Bernard erzählt, wie er mit seinem Vater in der Schuhbaracke Schuhe
für deutsche Soldaten machte und wie sie Sabotage betrieben. Wie
sie die Sohlen beschädigten, sodass sie bei Belastung brechen mussten.
Sie wurden fast entdeckt und wurden später vorsicht iger,
nur noch einen Schuh pro Paar sabotierten sie dann. Bernard war nur noch
mit seinem Vater zusammen, wo seine Brüder waren und wo seine Mutter
mit der Schwester wusste er nicht.
"Amon schoss wahllos auf die Menschen, er ließ eine Reihe
von Menschen aufstellen, ging die Reihe ab und erschoss willkürlich
Menschen, aus nächster Nähe." Bernard kämpft,
er kämpft mit diesem Ort.
Als ich neben ihm am Massengrab sitze, am oberen Rand des runden Kegels,
der genau die Größe des Massengrabs zeigt, deutet er in die
Ferne, wo man ein zerfallenes Haus sieht, ohne Dach. "Das war
die Gaskammer" "Gibt es dort irgend eine Tafel, die darauf hinweist?"
frage ich. "Nein, auch hier nicht" antwortet Bernard.
Auschwitz-Birkenau - Ich höre nur den Kies unter meinen Füßen...
Ein ohrenbetäubender Schrei: "Nicht mal hier hat man seine
Ruhe, verdammt noch mal!"
Bernard s chreit
so laut, dass Simon der alles filmt, und der auch einen Ohrstöpsel
hatte, fast das Trommelfell platzt. Bernard schreit nicht ohne Grund.
Bevor er und Andreas Maislinger mit dem Erzählen fertig sind, beginnt
das Tonband, das hier auf dem Turm die Touristen mit Fakten belehrt, auf
schwedisch zu sprechen. Und schwedische Touristen drängen den Turm
rauf, bevor wir wieder unten sind. Wir sind noch auf dem Turm, der auch
"Tor des Todes" genannt wird. Durch diesen Turm ging und geht
die Bahnstrecke in das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.
Und die schwedischen Touristen wollen das eben auch sehen.
"Das ist Shoah-Business, die geben einem Survivor nicht einmal die
Zeit auszusprechen"sagt Richard Schlager als wir wieder unten sind.
Bernard entschuldigt sich bei Simon. So laut wollte er gar nicht schreien.
Ich gehe schweigend die Geleise entlang, blicke mich immer wieder um,
zum Turm, der wie ein kollektives Bild schon lange vor dem realen Sehen
in meinem Gedächtnis war. Das ist eines der kollektiven Bilder, ein
Bild und ein Ort, den viele kennen, ohne je hier gewesen zu sein. Eine
Reihe der Holzbaracken steht noch, und einige Baracken auf der anderen
Seite, sonst sieht man hier auf den ersten Blick sehr wenig. Nicht wie
in Auschwitz I, im Stammlager. Ich sehe frisch gemähtes Gras. "Nein,
Gras gab es damals keines, das muss man sich alles als ein Gemisch
aus Dreck und Erde vorstellen auf dem Boden. Das Gras hätten
wir sofort gegessen." Bernard sagt es bestimmt.
"Hier an dieser Stelle der Rampe wurden mein Vater und ich aus
dem Viehwaggon gezerrt, mein Vater wurde auf die rechte Seite gestoßen,
ich auf die Linke. Ich hab ihm noch nachgeschaut, hier haben wir uns zum
letzten Mal gesehen."
Wir schauen die Tafeln, die hier aufgestellt waren, genau an, die Kinder
und Erwachsenen auf den Fotos, die auf der Rampe stehen. Sie haben alle
einen ahnungslosen Blick, kein Anzeichen von Angst. "Ich habe
meinen Vater schon oft auf diesem Bild gesucht, das im gl eichen
Jahr und im gleichen Monat gemacht wurde, als auch wir hierher geliefert
wurden. Ich hab ihn nicht gefunden Aber damals kam ja jeden Tag ein neuer
Zug mit Menschen."
Wir schauen uns im Frauenteil die Baracken an. In der Latrinenbaracke
steht zu lesen "Verhalte dich ruhig", in einer anderen
"Sonne, Wasser und Luft geben dir Kraft".
Die meisten wussten nicht, was sie hier erwartet. Sie konnten sich nicht
vorstellen, dass sie hier den Tod durch das Vergasen finden würden.
Nicht einmal kurz bevor sie in die Auskleidekabine geführt wurden,
dem riesigen Vorraum der Gaskammer.
Wir nähern uns einem Trümmerhaufen, einer der Gaskammern und
einem der fünf Krematorien, die hier in Birkenau standen. Dieses
Krematorium wurde von den Nazis in die Luft gesprengt eine Woche bevor
die Alliierten das V ernichtungslager
befreiten. Bernard zündet eine Grabkerze an und lässt sie unter
uns herumgehen, dann stellt er sie auf eine Stahlbefestigung bei den Trümmern.
"Ich weiß nicht warum, aber ich glaube, dass mein Vater
in diesem Krematorium ermordet wurde."
In der Nähe der Ruine befinden sich drei rechteckige schwarze Marmorplatten,
die an alle ermordeten Juden hier erinnern. Sie stehen neben kleinen Mulden,
den kleinsten Massengräbern, die es gibt. Hier haben die Nazis die
Asche hineingeschüttet.
Wir gehen weiter zum Haus, in dem die Juden geduscht, die Kleidung desinfiziert
wurde und wo sie auf grausame Art und Weise ihre Nummer eintätowiert
bekamen. Am Schluss im Haus drinnen eine große Wand mit lauter Fotos
von Juden, Urlaubsfotos, Familienfotos, Portraitfotos, Fotos auf denen
ich Menschen lachen und spielen sehe. Bei der Vorstellung, dass alle diese
Menschen, die ich hier sehe einfach so, ohne Grund auf die grausamste
Art und Weise ermordet wurden wird mir ganz anders ums Herz. Die Frage
"Warum?" bleibt unbeantwortet. Ich spüre ein großes
Gefühl der Ungerechtigkeit und des Hasses auf all die Leute, die
das getan und auch auf die, die es zugelassen haben.
Ich gehe auf dem feinen Kiesweg zu den anderen hinüber, auf eine
kleinen Mauer zu, wo
schon ein paar von uns sitzen. Es ist absolut still, so still wie es vorher
noch nie war. Ich höre nur den Kies unter meinen Füßen.
Ganz still setze ich mich neben Aleksandra Lojek, unsere polnische Seminar-Begleiterin.
Wir sagen nichts. Dann höre ich kleine Kinder aus dem Haus springen
und Lärm machen.
Gibt es auf so viel Ungerechtigkeit eine Antwort, auf mehr als eine Million
Tote? Ich schweige, denke nach. Wir gehen diese riesige Fläche ab,
es ist ein riesiges Lager, viel größer als ich es mir vorgestellt
habe. Ein riesiges Feld des Todes. Mir ist nicht nach Reden zumute, auch
nicht danach irgend eine Frage an Bernard zu stellen. Es ist so bedrückend.
Bernard führt uns zu der Baracke in der er gefangen gehalten wurde.
"Ich habe das Glück gehabt, dass ich ganz oben gelegen bin,
so haben mich die Fäkalien nicht getroffen, die von oben nach unten
getropft sind."
Wir gehen wieder raus. Ich schaue mich wieder um. Sehr wenige Baracken,
aber überall Kamine und Kaminruinen, sehr viele, die wie ein Wald
von Kaminen hier herumstehen.
Kamine von den Küchenbaracken im Lager, die großen Kamine des
Krematoriums stehen nicht mehr.
"Oft hab ich einen süßen Geruch in der Nase gehabt,
der sich auf das ganze Lager ausgebreitet hat", meinte Bernard.
"Verbrannte menschliche Körper".
Daniel
Furxer
Ghoda-havis...
11. September
2001
Seit
sieben Monaten und 19 Tagen
esse ich unheimlich scharfes Essen,
ist er Himmel unbewölkt, höre ich fünfmal am Tag den Muezin
schreien
Ich arbeite für die SOS Children's Villages of Pakistan. Die ersten
zwei Monate lebte und arbeitete ich in Kashmir um dann im dann Mitte April
nach Lahore, dem Herz Pakistans, umzuziehen.
In einem, von uns aufgebauten, "Woodworkshop" bringen Andreas
und ich den Jungs aus dem Kinderdorf bei was man aus Holz alles machen
kann. Zwischendurch helfe ich den Leuten im Office mit allem was mit Graphik
zu tun hat (Webdesign, Flugblätter, Folder ...).
Seit ich vor drei Monaten den Manager des nahegelegenen Schwimmingpools
dazu überreden konnte unsere Jungs um 15 Rupees (2.50,-ats) schwimmen
zu lassen, gehen wir nun auch jeden Sonntag mit ihnen baden. Viele der
Buben können sich schon richtig lang über Wasser halten und
einige sogar kraulen.
Als ich im März gefragt wurde, einen kurzen Artikel für die
HRB- News zu schreiben hatte ich noch nicht ahnen können unter welchen
Umständen ich das nun ein halbes Jahr später tun würde.
Neben mir steht ein fix und fertig gepackter grosser Rucksack, und ich
warte nur noch auf mein indisches Visa. Johannes, mit dem ich die letzten
siebeneinhalb Monate meinen Auslandsdienstes geleistet hab, Andreas, der
im Juli auf uns gestossen ist, und Nadia, die hier ihr Auslandspraktikum
macht, sind gestern Nacht nach Hause geflogen.
Auch wenn die realistische Gefahr von fundemental islamischen USA- Hassern
angegriffen, oder von einer Afganischen Rakete getroffen zu werden, recht
gering ist, fühle ich mich nicht mehr wirklich wohl in Pakistan.
Die meisten Pakistanis die ich kenne versuchen sich einzureden dass die
USA Afganistan nicht angreifen werden, und wirken verwundert dass wir
alle das Land verlassen. Ijaz, einer meiner Schüler aus dem "Woodworkshop",
sah mich gestern, als erfahren hatte dass wir ausreisen, verständnislos-
traurig an und meinte:"...my teacher?!".
Es fällt schwer von diesem Land Abschied zu nehmen, wenn es vielleicht
auch nur vorrübergehend ist. Ich habe Pakistan lieben gelernt. Den
höllisch- anarchischen Strassenverkehr, die Gastfreundlichkeit und
die strahlende Sonne am Himmel und im Herzen der Leute.
Pakistan hat mich viel gelehrt, vorallem aber, dass man überall auf
der Welt glücklich sein kann, ohne Rücksicht darauf wieviel
man besitzt.
Ghoda-havis...
Florian
Wille
Sozialdienst am SOS
Children's Villages of Pakistan
Februar 2001-
September 2001
Karachi, Lahore, Rawalpindi und Multan; Pakistan
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