Leserbrief: Chance für Braunau

Sehr geehrter Herr Marschall, im Oktober 1987 war in einer „profil“-Nachricht von einer Veranstaltung die Rede, die sogleich mein ganzes Interesse fand: „Braunauer Zeitgeschichtstage“ sollten stattfinden. Das hörte sich vielversprechend an. Oberösterreicher, der ich bin, zwar mit dem Wohnsitz in Frankfurt, und befaßt gerade mit einschlägiger Thematik, der Produktion des Dokumentarfilms „Das Frankenburger Würfelspiel“, fühlte ich mich angesprochen. Weil dieser Film mich aber dann über Gebühr in Anspruch nahm, kam ich erst im Dezember dazu, mich an die in der „profil“-Nachricht angegebenen Adresse von Andreas Maislinger zu wenden. Da als Termin für die Veranstaltung der November 1987 angegeben war, bat ich Maislinger, mir Redemanuskripte oder Diskussionsprotokolle zuzusenden. Doch es war gar nicht dazu gekommen, mußte ich erfahren. Er wolle aber dran bleiben, versicherte mir Maislinger; doch es klang, als müßte er sich selbst Mut machen.Vergangenen März dann: nun sei es soweit, um den 22. April, ob ich hinkommen wolle und meinen Film (s.o.) zeige. Ja, das wollte ich. Denn an diesem Ort und öffentlich über unsere jüngste Geschichte nachzudenken, über Braunau und Hitler, das halte ich schon für wichtig und für eine recht gute Idee. Aber 14 Tage später war alles schon wieder anders: keine „Braunauer Zeitgeschichtstage“, jedenfalls nicht jetzt, es fehle am Geld, der Zeitpunkt sei ungünstig. Nun, daß eine solche Veranstaltung einer gründlichen Vorbereitung bedarf, ist unbestritten, und wenn Maislinger das alleine leisten sollte, welcher Eindruck sich mir aufdrängt, steht er natürlich auf verlorenem Posten. Da ist Solidarität gefordert, Unterstützung Pflicht. Inzwischen entnehme ich dem Beitrag „Zur Verantwortung Braunaus“ von Andreas Maislinger, daß die Idee „Braunauer Zeitgeschichtstage“ zu veranstalten, ursprünglich von Ihnen stammt. Und ich kann nur bekräftigen, was ich oben dazu gesagt habe, hinzufügend: Was für eine Chance für die Stadt Braunau! Ganz unverständlich für mich, daß Maislingers Engagement in dieser Sache offenbar so ganz ohne entschlossene Hilfestellung blieb.Aber vielleicht ist es von Vorteil, daß dieser zweifelhafte Gedenktag jetzt vorüber ist. Zeit nun, um die Idee weiter zu verfolgen, ein tragbares Konzept zu entwickeln. in eine konstruktive Diskussion einzutreten. Die „Braunauer Zeitgeschichtstage“ müssen Konturen gewinnen. Lassen Sie es mich wissen, wenn ich dazu etwas beitragen kann.

Alfred Jungraithmayr
https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Jungraithmayr
Braunauer Rundschau

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