Weiter Streit um Hitlers Geburtshaus in Braunau

Umstritten. In 65 Jahren hat man es nicht geschafft, Hitlers Geburtshaus einer friedensstiftenden Funktion zuzuführen. Abstruse Vorschläge und gute Konzepte sorgen weiter für jede Menge Zündstoff.

Zugegeben, die Problematik könnte kaum komplizierter sein: Da gibt es ein Haus in Braunau, Salzburger Vorstadt 15, mit einer zweifelhaften Vergangenheit, welches sich in Privatbesitz befindet. Und da gibt es noch das österreichische Innenministerium als Hauptmieter. Alle Pläne, das Haus als Gedenkstätte zu etablieren, scheiterten bisher. Eine Einigung mit der Besitzerin, Gerlinde Pommer, gelang nicht.

1891 verstarb der bisherige Hauseigentümer und Gastwirt Franz Dafner. Seine Witwe Helene führte das Gasthaus noch bis 1911 und verkaufte es dann an Josef Pommer, der das Gasthaus bis 1938 betrieb. Im Zuge des „Anschlusses“ verkaufte die Familie Pommer das Geburtshaus des „Führers“ Adolf Hitler an Martin Bormann von der NSDAP zum Vierfachen des damaligen Wertes.

Ver- und Rückkauf von Hitlers Geburtshaus

1952 wurde das Haus im Rahmen eines Rückstellungsvergleichs von der Republik Österreich den ehemaligen Eigentümern zum Preis von 150.000 Schilling zurückgegeben und zugleich von der Republik angemietet, wobei es bis 1965 als Stadtbücherei genutzt wurde. Noch heute bezahlt die Republik Österreich knapp fünftausend Euro Miete für das mittlerweile leer stehende Objekt, das sich in schlechtem Zustand befindet. In dem Viertel von Braunau gibt es einige sanierungsbedürftige Häuser, die besagte Immobilie gehört dazu.

„Wohnungen wären leichter umzusetzen“

In dem Haus sind schon mehrere Mieter ein- und ausgezogen. Ein mal war ein Bankinstitut vertreten, dann eine Bibliothek und zum Schluss eine Werkstätte für Behinderte. Nach deren Auszug hat sich Braunaus Bürgermeister Johannes Waidbacher Gedanken über die künftige Nutzung der mittlerweile leer stehenden Immobilie gemacht. Dem „Standard“ sagte der ÖVP-Politiker, dass man hier keine weitere Gedenktstätte benötige. Hitler hätte ja ohnehin nur die ersten drei Jahre seines Lebens in Braunau verbracht. „Wir sind daher als Stadt Braunau nicht bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass der Zweite Weltkrieg ausgebrochen ist“, sagte Waidbacher dem „Standard“ und sprach sich für eine herkömmliche Nutzung des Hauses aus. „Wohnungen wären an dem Standort mit Sicherheit leichter umzusetzen.“
Alexander van der Bellen zitierte anlässlich einer Diskussion im Republikanischen Club in Wien zum Thema Hitlers Geburtshaus: „Als glückliche Bestimmung gilt es mit heute, dass das Schicksal mir zum Geburtsort gerade Braunau am Inn zuwies. Liegt doch dieses Städtchen an der Granze jener zwei deutschen Staaten, deren Wiedervereinigung mindestens uns Jüngeren als eine mit allen Mittlen durchzuführende Lebensaufgabe erschien.“ So lautet der erste Satz in Hitlers Buch „Mein Kampf“ und widerlegt alle Behauptungen, Braunau hätte für den Diktator keine bedeutung gehabt.

Braunau war für Hitler „glückliche Bestimmung“

Van der Bellen warnte aber auch davor, Hitler mit einer Gedenkstätte in die Falle zu gehen: „Deshalb würde ich vorschlagen, das Haus abzureißen und durch einen gelungenen Neubau zu ersetzen.“
Mit dieser Forderung war der ehemalige Spitzenpolitiker nicht allein. Peter Huemer, Publizist und Historiker, schlug gar vor, das Gebäude dem Verfall preiszugeben, Bemerkungen, die Christian RainerChristian Rainer vom Profil postwendend als ausgesprochen zynisch bezeichnete. In die selbe Kerbe schlägt auch Andreas Maislinger, der seit Jahren ein fertiges Konzept für das Haus in der Schublade hat und mit den Vernichtungsplänen nicht einverstanden ist. „Ich finde, dass die Beseitigung dieses Hauses zu sehr dem Gedanken des Diktators entspricht, denn dann hätte man ja auch die Sprengung durch die Nazis nicht verhindern brauchen“
Andreas Maislinger ist auch Veranstalter der Braunauer Zeitgeschichte-Tage. „Hier soll eine würdevolle Gedenkstätte entstehen, die nicht nur die Vergangenheit behandelt, sondern sich auch mit der Zukunft beschäftigt. Auf keinen Fall soll es als Museum angelegt sein, denn damit wäre es weltweit ‚Das Hitlermuseum‘ und damit wieder Ziel von Ewiggestrigen“, betonte Maislinger, der aus Hitlers Geburtshaus ein „Haus der Verantwortung“ machen möchte.

Haus der Verantwortung statt Museum

Maislinger über seine Pläne: „Das Haus soll in drei Bereiche aufgegliedert sein: Im Erdgeschoß wird die Geshcichte von Braunau dokumentiert und die Geschichte dieses Hauses – natürlich mit Hitler, das lässt sich ja nicht vermeiden. Im ersten Stock möchte ich die Gegewart ansiedeln. Es soll ein Treffpunkt für junge Menschen aus aller Welt sein, die wir einladen, sich an Projekten der Völkerverständigung und des Friedens zu beteiligen.
Über die Zukunft sollen sich im zweiten Stock Wissenschafter aus allen Bereichen mit Schülern und Studenten aus dem In- und Ausland unterhalten. Sie können Konzepte entwickeln, damit diese Welt für zukünftige Generationen lebenswert bleibt. Im Kern soll uns aber allen gegenwärtig bleiben, dass Hitler zwar hier geboren wurde, die von ihm verursachen Gräuel aber anderswo stattfanden.“

Kurt Leininger
Salzach-Inn Nachrichten

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