Wer zieht in Adolf Hitlers Geburtshaus ein?

Der Bürgermeister von Braunau will verhindern, dass Nazis das Haus kaufen, in dem der Massenmörder Adolf Hitler geboren wurde.

Soll keine Pilgerstätte von Nazis werden: Das Geburtshaus von Adolf Hitler.
Soll keine Pilgerstätte von Nazis werden: Das Geburtshaus von Adolf Hitler.

2,2 Millionen Euro: Das ist der Preis für ein Haus, das in Braunau am Inn in Oberösterreich für emotionale Diskussionen sorgt. Es handelt sich um das Haus, in dem Adolf Hitler am 20. April 1889 das Licht der Welt erblickte. Laut Medienberichten befürchten Politiker und Einwohner von Braunau, dass das Geburtshaus des Diktators zu einem Wallfahrtsort von Nazis und anderen Rechtsextremen werden könnte – falls das Gebäude von einem Hitler-Fan erworben würde.

Auch die Idee eines Museums stösst auf Widerstand. «Dann würde die ganze Welt nach Braunau ins Hitler-Museum gehen», sagt Gerhard Skiba, Bürgermeister von Braunau. «Bisher gibt es bei uns keine Verbindung zu Hitler ausser einem Gedenkstein für die Nazi-Opfer.» Die Stadt, die rund 16’300 Einwohner zählt, würde am liebsten das Gebäude selbst erwerben, wie Bürgermeister Gerhard Skiba sagt. Braunau hat aber nicht das notwendige Geld für den Hauskauf. Skiba hofft nun auf die Unterstützung der Bundesregierung in Wien.

Haus mit wechselvoller Geschichte

Zurzeit ist ein Heim für Behinderte im zweistöckigen Haus eingemietet. Weil die Mieter ausziehen werden, hat die Eigentümerin Gelinde Pommer die Immobilie zum Verkauf ausgeschrieben. Das Haus ist in der jüngeren Vergangenheit für verschiedene Zwecke genutzt worden. Unter anderem waren eine öffentliche Bibliothek, eine Bankfiliale, eine Schule und ein technisches Institut im Gebäude einquartiert. Als Hitler geboren wurde, befand sich im Erdgeschoss eine Kneipe, in der sich der Vater des späteren Diktators regelmässig betrank. Hitlers Vater war ein gewalttätiger Tyrann.

Das Geburtshaus Hitlers hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. «1938, mit dem Anschluss Österreichs an Deutschland, wurde das Haus vom NS-Sekretär Martin Bormann zu einer nationalen Gedenkstätte gemacht. Die Initialen MB an einem Eisentor erinnern noch heute daran», schreibt die «Bild»-Zeitung. Bei Kriegsende hätten fanatische Nazis versucht, das Gebäude zu sprengen, weil sie es nicht im Besitz ihrer Feinde wissen wollten. Aber die amerikanischen Truppen seien schneller gewesen. 1952 wurde das Haus der ursprünglichen Eigentümer-Familie Pommer zurückgegeben. Jetzt sucht Gelinde Pommer einen Käufer für das umstrittene Haus. (vin)

TagesAnzeiger
http://www.tagesanzeiger.ch/

Leave a Reply

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.