„Zeichen setzen“ – die Chance!

INITIATIVE / Das „Haus der Verantwortung“ bekommt ein Fundament – doch nicht in Hitlers Geburtshaus in der Salzburger Vorstadt

BRAUNAU / „Wir Braunauer setzen ein Zeichen für die Welt!“ Mit dieser Schlagzeile ließ Braunau im Februar 2000 aufhorchen. Alle politischen Parteien der Stadt stellten sich hinter die Initiative der BRAUNAUER RUNDSCHAU, in Hitlers Geburtshaus ein „Haus der Verantwortung“ einzurichten und damit die Stadt zum Inbegriff der internationalen Begegnung und Versöhnung zu machen (siehe unten stehende Archivberichte).

Nun, sechs Jahre später, wird der erste Schritt gesetzt und ein Büro in Braunau geplant. Das heiße Eisen „Hitlerhaus“ will die Stadt dabei aber nicht anfassen.

Die beiden tragenden Initiativen des „Hauses der Verantwortung“ sind der Braunauer Verein für Zeitgeschichte und der österreichweit engagierte Verein für Dienste im Ausland. Ihnen will die Stadt nun ein Büro im alten Gefängnis in der Mühlengasse zur Verfügung stellen. „Wenn kostenmäßig eine Lösung gefunden wird, dann spricht nichts dagegen, dass der Verein für Zeitgeschichte und der Auslandsdienst die Räume bekommen“, so Bürgermeister Gerhard Skiba. Der erforderliche finanzielle Aufwand wird derzeit geprüft.

Gleichzeitig allerdings böte sich auch in Hitlers Geburtshaus erstmals seit Jahrzehnten die Chance, Räume zu mieten. Schon im Jahr 2000 war klar, dass das Projekt „Haus der Verantwortung“ nur dann wie erhofft realisiert werden kann, wenn die Lebenshilfe, die dort eine Tagesheimstätte für behinderte Menschen und einen Verkaufsladen führt, ihre Neubaupläne verwirklicht hat und den Platz nicht mehr benötigt.

Genau das ist jetzt der Fall, die Lebenshilfe wird laut Direktor Peter Wacha ab Mitte des Jahres den zweiten Stock nicht mehr anmieten. Der Gemeinde steht es somit frei, diese Räume für andere Zwecke weiterzugeben. Laut Bürgermeister Gerhard Skiba soll dies aber nicht das „Haus der Verantwortung“ sein, sondern eine Jugendbetreuungs-Initiative aus Linz. „Die Hausbesitzerin hat bereits öfter signalisiert, dass sie an einer politischen Verwertung kein Interesse hat“, begründet er seine Ablehnung. Solange das Haus nicht völlig frei sei und die Besitzerin nicht verkaufen wolle, sei auch das Projekt ad acta gelegt. Außerdem müssten die Kosten dafür vom Bund übernommen werden. Im Innenministerium verspricht man, sich mit dem Projekt zu befassen: „Grundsätzlich begrüßen wir solche Sachen“, sagt Johannes Rauch, Pressesprecher von Innenministerin Liese Prokop.

Der Verein für Zeitgeschichte und der Auslandsdienst haben nach wie vor Interesse an einem Stützpunkt im Hitlerhaus. Schon bisher gab es eine gute Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte zwischen Zeitgeschichte-Tagen und Lebenshilfe.

KONZEPT / Begegnung für Jugendliche

Stichwort: „Haus der Verantwortung“

Dr. Andreas Maislinger, Innsbrucker Politologe und wissenschaftlicher Leiter der Braunauer Zeitgeschichte-Tage, wurde im Jahr 2000 vom Verein für Zeitgeschichte beauftragt, ein Konzept für ein künftiges internationales „House of Responsibility“ zu entwerfen.

Seine Grundidee: Neben der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit soll vor allem die Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft im Mittelpunkt stehen und speziell von Jugendlichen getragen werden. Konkret heißt das: Braunau wird Zentrale und gleichzeitig einer der Standorte des „Auslandsdienstes“, der Jugendlichen und Zivildienern einen europaweiten Austausch ermöglicht. Schon jetzt ist der Auslandsdienst Partner des EU-Projektes Leonardo da Vinci, was unverzichtbare EU-Fördermittel bedeutet.

Was ist der Auslandsdienst?

Seit 1992 leisteten fast 1000 Jugendliche einen 14-monatigen Zivilersatzdienst bei Partnerorganisationen auf der ganzen Welt. Der Einsatz ist im Friedens-, Sozial- und Gedenkdienst möglich. Infos: www.auslandsdienst.at

EU-Projekt Leonardo da Vinci:

Junge Menschen von 18 bis 25 Jahren mit abgeschlossener Lehre oder Matura bzw. Studenten können durch Mitarbeit bei Partnereinrichtungen in Europa wertvolle Erfahrungen für den Berufseinstieg erwerben. In Braunau sollen die jungen Leute, vorzugsweise Geschichtestudenten, die Zeitgeschichte-Tage vorbereiten helfen.

Braunauer bevorzugt!

Durch zusätzliche Fördermittel kann der Auslandsdienst heuer Europapraktika nicht nur Zivildienern, sondern zehn weiteren interessierten Jugendlichen anbieten. Dies sollen vorzugsweise junge Leute aus Braunau sein. Info: www.hrb.at

Braunau im Rampenlicht

Die Idee, in und um Hitlers Geburtshaus in der Salzburger Vorstadt ein „Haus der Verantwortung“ einzurichten, ist genau sechs Jahre alt:
Zu Jahresbeginn 2000, als die Haider-FPÖ an der Bundesregierung beteiligt wurde, blickte alle Welt besorgt nach Österreich und die EU debattierte, wie sie den Rechtsruck sanktionieren sollte. In dieser aufgeheizten Stimmung sorgte eine Kampagne der BRAUNAUER RUNDSCHAU, aller politischen Fraktionen der Stadt und des Vereins für Zeitgeschichte für internationales Aufsehen. Ihr Ziel: Das Geburtshaus Adolf Hitlers in der Salzburger Vorstadt anzukaufen und dort ein „Haus der Verantwortung“ einzurichten.
Hinter die Initiative stellten sich Hunderte von Privatpersonen, die die Aktion mit ihrer Unterschrift unterstützten.
Das Geburtshaus Adolf Hitlers steht in Privatbesitz, Hauptmieter ist das Innenministerium, von dem es die Stadt gemietet hat und die es ihrerseits an die Lebenshilfe weitergibt.

Brauner Rundschau
http://www.meinbezirk.at/oberoesterreich/braunau/

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